Schlaflos
19 November , 2009
Schlaflose Nächte nerven. Man kann wenig Sinnvolles tun, weil die meisten sinnvollen Dinge auch laut sind. Zumindest nachts, wenn es selbst mitten in der Innenstadt von Rock City so leise ist, das man meinen könnte die Welt wäre einen kurzen Moment stehen geblieben.
Zumindest das Schreiben stört niemanden. Nicht den Mann, der nebenan seelig schnarcht, und auch nicht den Kater, der, wie es sich für seine Hoheit gehört, breit ausgestreckt auf seinem Schlafsessel liegt.
Vielleicht sollte ich anfangen die Texte für mein Freitags-Tutorial vorzubereiten… Tagsüber verhilft mir das ja auch oft unverhofft zu einem kleinen Mittagsschläfchen…
Eine Liebesgeschichte
19 November , 2009
Heute, als ich mit dem Bus nach Hause fuhr, sah ich ein junges Paar am Bussteig stehen. Sie wären mir vielleicht gar nicht aufgefallen, hätten ihre Schuhe nicht meinen Blick auf sich gezogen. Sie trug froschgrüne Lederstiefel. Seine Halbschuhe, die vorne spitz zuliefen, waren signalrot.
Das Besondere daran, dachte ich bei mir, ist doch, das Rot und Grün einen Komplementärkontrast bilden. Also obwohl beide Farben im Farbkreis am weitesten voneinander entfernt liegen, entsteht, beide zusammen genommen, eine Kombination in der beide Farben noch leuchtender erscheinen. Irgendwie romantisch.
Ob sich die beiden dessen wohl bewusst waren?
Aus dem Tagebuch der Bleilaus…
9 November , 2009
Montag, 9. November 2009
Habe spontan meine innere Ruhe wieder gefunden. Was man nicht alles so in der Wohnung rumliegen hat…
„Thank you for traveling with Deutsche Bahn!“
9 November , 2009
In meinem nächsten Leben werde ich Schaffnerin (Vielleicht auch Schaffner, sollte ich als Mann wiedergeboren werden.). Neben einer Menge Bewegung bietet einem der Schaffnerberuf nämlich auch ein nicht zu unterschätzendes Unterhaltungspotential. Wenn ich Schaffner wäre, hätte ich eine ganze Menge Spaß!
Für jede Fahrt würde ich mir eine neue Identität plus Dialekt zulegen. Montags würde ich vielleicht, denn Montage sind ja immer am schlimmsten, alle Durchsagen mit erotischer Telefonsex-Stimme präsentieren (an dieser Stelle fehlt mir das Aufnahmegerät, ihr müsst jetzt also eure Fantasie bemühen und euch vorstellen wie Sonja Kraus mit langsamer, leicht flüsternder Stimme die nächsten Bahnhöfe ansagt). Anschließend würde ich dann ungeschminkt und mit Bauerntrampelschritt durch die Gänge stampfen, jedoch mit dem gleichen wispernden Ton um die Fahrkarten bitten.
An Dienstagen, würde ich meinen Lieblingskomiker, Rüdiger Hoffmann bemühen: „Ja hallo erst mal, ich weiß nicht, ob Sie’s schon wussten, aber ich bin Ihre Schaffnerin. Sie können heute mit mir nach Köln HBf fahren… müssen Sie aber nicht…“.
Durchaus irritierend, aber sehr lustig stelle ich mir den Mittwoch vor, an dem ich geschminkt wie Marilyn Manson durch den Zug tollen würde. Ich würde den ganzen Tag sagen: „Ihre fucking Fahrkarte bitte!“ und könnte die Omis im Zug fragen wo sie ihre tollen Stützstrümpfe herhaben.
Donnerstags würde ich alle Ansagen singen und darauf bestehen, dass mir die Fahrgäste Antworten auf meine Fragen ebenfalls gesanglich vortragen und weil Freitage ja immer die schönsten Tage einer Woche sind, würde ich den ganzen Tag pfeifen. Meine Ansagen, würde ich mit selbstausgedachten, pfeif-Jingles beginnen, und morgens durch Lautsprecher „Guten morgen Sonnenschein“ singen.
Samstags, wenn ich mich schon auf den nächsten Streich freuen würde, würde ich wahrscheinlich gefeuert werden. Schade eigentlich, dann müsste ich am Wochenende ohne Schaffnermütze im Zug mit den Fußballfans das Alemannia-Lied singen.
Festgestellt…
31 Oktober , 2009
Mein Kater ist wie ich, wenn ihm langweilig ist überlegt er sich was er futtern könnte…
1° C und heiter
15 Oktober , 2009
Am Ende des Sommers, wenn es so langsam kalt und ungemütlich wird, fröhnen der Mann und ich einen kleinen Spiel das „Wie-lange-halten-wir-durch-ohne-zu-heizen“ heißt. Ein wichtiges Element dieses Spiels ist das Thermometer im Wohnzimmer. Solange dort noch 20° C angezeigt werden ist es eindeutig zu warm um den alten Gasbollerofen anzufeuern.
Gestern haben die Batterien des Thermometers den Geist aufgegeben, und ich saß frierend, selbst im Pullover, im Wohnzimmer und überlegte wie warm oder kalt es nun sein mochte. 19 ° C wären ja noch so gerade am Limit, aber 18 ° C, da könnte man durchaus mal den Ofen anmachen… Ab einem gewissen ältegrad ist das ja auch schädlich für die Bausubstanz…
Das Spiel ist für dieses Jahr mal wieder verloren. Ich bin schwach geworden und habe den Ofen aufgedreht. Später hat der Mann ihn noch mal höher gestellt… Ausschlaggebend war der Kater, der den ganzen Tag auf dem Badezimmervorleger gelegen hatte, weil das Bad durch die gute Sonnenlage der wärmste Ort der Wohnung ist. Und unseren armen Kater wollen wir ja nicht frieren lassen
„1 ° C und heiter, war es heute morgen!“, erzählt mir der Mann beim Abendessen, „Das hat so eine ältere Frau heut morgen zu einer anderen gesagt.“ Na Danke, 20 ° C und Regen wären mir evtl. lieber…
Katerstimmung
12 Oktober , 2009
Eigentlich gab es da ja immer den Möbel-Vorwand. Eine zugegebenermaßen berechtigte Angst des Mannes um seine Möbel, die er, wie ich stolz erzählen kann, alle (außer das Sofa) in mühevoller Handarbeit selbst gebaut hat. Natürlich hatte er um das Sofa auch immer Angst gehabt, immerhin ist es aus dickem Rindsleder und verdammt bequem. Also: Keine Katze für die Bleilaus, erst wenn wir unseren Selbstversorger-Bauernhof auf dem Land mit viel Platz und eigenem Zoo hätten. Damit hatte ich mich ja schon fast abgefunden, gäbe es nicht diese unsäglichen Social-Network-Portale.
In einem ebendieser traf ich nämlich eines schönen Abends auf den Hilferuf einer Bekannten. Ihr Freund und ihr Kater seien sich weder grün noch könnten sie sich riechen, und so suche der Kater eine neue Bleibe (wobei die Chefsekretärin jetzt sicher sagen würde, dass sie doch besser für den Kerl ein neues Zuhause hätte suchen sollen
).
Da der Mann leider sehr unbestechlich ist (Noch nicht mal Schokolade!!!), musste ich mich natürlich zunächst wappnen. „Mag dein Kater Ledersofas?“, schrieb ich meiner Bekannten J., die den Hilferuf in die Welt gesendet hatte. „Also um eure Möbel bräuchtest du dir keine Sorgen zu machen, ist nur die Frage, ob ihr noch Platz auf dem Sofa findet, wenn er sich darauf ausgebreitete hat
.“ Schrieb J. zurück. Die Antwort, die ich erhofft hatte.
Zugegebenermaßen, wenn es darum geht die Männer um den Finger zu wickeln bin ich Profi. Vier Brüder und ein Vater, da hat man viel Gelegenheit von Kindheit an zu üben („Och biiiiiiiiiitte, räum doch die Spülmaschine für mich aus…“). Ich startete meinen Angriff:
Ich: „Duuuuu, die J. will ihren Kater abgeben…“
Der Mann: „Uhum…“
Ich: „Guck mal, hier ist ein Foto, willst du nicht mal schauen….?“
Der Mann: „Lieber nicht…“
Ich: „Aber er zerkratzt keine Möbel und auf Ledersofas legt er sich nur drauf…“
Der Mann: „*grummel* *seufz*, na zeig mal… Oh, der ist ja komplett schwarz…, und er hat gelbe Augen…, hm… Hast du J. schon angerufen?“
Ich: „Nee, hab ihre Nummer nicht, ich hab ihr eine Mail geschrieben.“
Der Mann: „Ich hab ihre Nummer, ruf sie mal an.“
War ja einfacher als erhofft
Und so tapst nun ein dicker schwarzer Kater durch unsere heiligen Hallen, versucht dem fluchenden Mann den Schinken vom Brot zu klauen, um ihn anschließend wieder damit milde zu stimmen, dass er ihm schnurrend um die Beine läuft. Natürlich hat er auch nicht irgendeinen Kratzbaum bekommen, sondern einen vom Mann persönlich zusammengestellten und -gebauten. Extragroß und extrahoch. Und wie alles was der Mann so zusammenschraubt, versehen mit dem dem Prädikat „Built to resist!“.
Wen wählen?
23 September , 2009
Meine Freundin A. geht dieses Jahr zum ersten Mal wählen – im Alter von 26 Jahren. Besser spät als nie! Ich bin immer wieder schockiert darüber wie viele Leute von ihrem Wahlrecht nicht Gebrauch machen. Wenn es in der Kneipe nebenan Freibier gibt würde doch auch niemand sagen: „Och nö, da geh ich nicht hin!“. Man könnte auch den typischen Mama-Essens-Spruch auch umformulieren: „Die Kinder in anderen Ländern wären froh, wenn sie wählen gehen dürften!“ – und das ist so wahr…
Fakt ist, was viele nicht wissen, wer nicht wählt, wählt halt eben doch, nur, dass er nicht bestimmen kann wen. Die Stimmen der Nichtwähler werden nämlich prozentual auf die Parteien verteilt, die in den Bundestag einziehen. Jetzt könnte man sagen: „Was soll’s? Ändert das Ergebnis ja nicht.“. Ja ja, das ist schon richtig, aaaaber nehmen wir mal an der Nichtwähler würde sich eigentlich durch eine kleine Partei besser vertreten fühlen, als durch die sogenannten „Major-Player“, diese scheitert aber an der fünf Prozent Hürde – Dann wäre seine Stimme evtl. entscheidend gewesen um die Hürde zu schaffen. Nichtwählen bedeutet somit also auch häufig weniger Vielfalt im Bundestag und damit auch wenig Ansporn für die großen, sich wirklich anzustrengen.
Wer also von seiner Stimme Gebrauch machen möchte, aber weder blind wählen, noch alle Programme detailliert lesen möchte, dem sei der „Wahl-O-Mat“ der Bundeszentrale für politische Bildung ans Herz gelegt. Hier wird der eigene Standpunkt zu politischen Thesen abgefragt, und anschließend mit den Antworten der Parteien verglichen.
Die Kandidaten kann man außerdem auch bei „abgeordnetenwatch.de“ unter die Lupe nehmen. Neben allgemeinen Informationen rund um die Wahlen bietet das Portal die Möglichkeit online Fragen an die Kandidaten zu stellen, die diese auf abgeordnetenwatch beantworten. Im Kandidatencheck kann außerdem die Übereinstimmung mit den politischen Interessen des zur Wahl stehenden getestet werden.
Wie Deutschland unter der Regierung einer jeweiligen Partei aussehen könnte, kann man in der Wahlsoap „Zeit der Entscheidung“ von Spiegel-Online sehen. Nach jeder Folge wird gewählt, wie es weiter geht ist abhängig vom jeweiligen Wahlausgang.
Wählen ist also nicht nur wichtig, das „Schlau-Machen“ vor der Wahl kann sogar auch richtig spaßig sein!
Oude Stad
15 September , 2009
Viel hab ich ja bisher noch nicht erzählt, von meinem Studium im „Ausland“, in einer mittelgroßen, sehr schönen und alten Stadt. Das will ich nun aber ein wenig nachholen. Nennen wir das Städtchen einfach mal „Oude Stad“. Das ist niederländisch, bedeutet „Alte Stadt“ und passt deswegen ganz hervorragend.
Oude Stad besticht durch viele sehr, extrem alte Gebäude in typischem niederländischen Baustil, eine begehbare Stadtmauer und einer recht namhaften Universität. Meine Fakultät ist umgeben von Sex- und Coffeeshops, von Tattoo-, Piercing- und Gruftiläden und kleinen Indienlädchen, die nach Räucherstäbchen duften. Ihr Prunkstück ist der Spiegelsaal, der wohl schönste Unterrichtsraum, den ich jemals gesehen habe. Die Wände sind von oben bis unten kunstvoll mit Stuck verziert, und der Boden natürlich mit Parkett ausgelegt – leider haben wir darin noch nie Unterricht gehabt. Doch auch dem Rest der Uni sieht man seinen historischen Wert an, liebevoll restauriert und teilweise mit neueren Elementen, architektonisch geschickt ergänzt.
In den letzten zwei Wochen hat Oude Stad mein Herz erobert, und das liegt nicht nur an den niederländischen Supermärkten und der schönen Architektur, sondern auch an der niederländischen Lebensweise an sich, die mir durch die Grenznähe zwar von Kindheit an vertraut ist, nun aber wieder bewusster wird. Es ist wirklich erstaunlich, wie wenig und doch so viel anders manche Dinge ein paar Kilometer weiter sein können.
Ich denke, dass die Niederländer viel offener und herzlicher sind als die Deutschen. Das merkt man schon an der Sprache, in der ein „Sie“ zwar existiert, im alltäglichen Gebrauch jedoch nicht häufig vorkommt. Als großer Fan von allem Frittierten komme ich auf die Dauer natürlich auch um die „niederländische Küche“ nicht herum, obwohl man die hier in der Grenzregion natürlich auch in Deutschland genießen kann.
Es gibt noch eine ganze Reihe Dinge, die mir in Oude Stad immer wieder positiv auffallen. Das Wichtigste ist für mich aber, dass ich mich hier studientechnisch gut betreut und recht wohl fühle. Und vielleicht bleibe ich deswegen auch für den Master…
Taubendreck
14 September , 2009
Tauben mögen ja die Boten des Friedens und der Liebe sein – für mich sind sie gurrende Scheißmaschinen. Innenstadtbewohner von großen Städten werden mir recht geben: Tauben nerven. Bei mir persönlich fängt das schon damit an, dass ich das Taubengurren mit dem morgendlichen Aufstehen verbinde – keine gute Assoziation. Morgens sitzen die Tauben von Rock City nämlich gerne versammelt auf dem Fensterbrett unseres Badezimmers und gurren mir die Ohren zu.
Tagsüber beschäftigen sich die Biester damit, unseren kleinen Balkon vollzukacken. Deswegen haben wir jetzt das Zeichen der Wehrhaften installiert: einen großen schwarzen Plastikraben. Wir waren dabei allerdings nicht so dezent wie die meisten Rock-Citier, die ein kleines, sitzendes Exemplar auf ihrem Balkon bevorzugen, nein, wir sind in die Vollen gegangen und haben einen großen Raben mit ausgebreiteten, pechschwarzen Schwingen installiert. Sieht auch besser aus!
Die erste Zeit waren wir auch recht überzeugt davon, dass es funktioniert. Da der Mann allerdings keine Lust hatte den Balkon zu putzen, und es auch recht trocken war, konnten wir nur vermuten, das keine neuen Taubenhinterlassenschaften hinzugekommen waren. Da es aber auch irgendwann mal regnet, und der Mann auch nicht immer auf einem schmutzigen Balkon rauchen wollte (Ja, er tut es immer noch!), hat der Balkon dann doch noch mal frischen Glanz bekommen.
Eine eindeutige Aussage, was die „Ratten der Lüfte“ von unserem neuen Balkon-Mitbewohner halten, gab es dann auch schon am nächsten Tag: einen dicken Tauben-Flatschen wirklich mitten auf den Balkon-Fliesen unterstützt durch Protest-Gurren vor dem Badezimmerfenster. Ein eindeutiges Statement, wenn ihr mich fragt. Der Mann und ich machen uns nun Gedanken über eine Raben-Armee um unseren klinen Balkon zu beschützen – denn auf den Tag an dem eine Taube unserem Raben einfach auf den Kopf scheißt, wollen wir nicht warten.