Walt Disney Filme sind eine tolle Sache. Ich persönlich beherberge noch einige, aus meiner Kindheit gerettete, VHS Kassetten in meiner Wohnung. Unter anderem “Die Schöne und das Biest”. Ich erinnere mich noch genau daran, wie meine damalige beste Freundin und ich diesen Film immer und immer wieder angesehen, um uns nachher beim Spielen darum zu streiten wer Belle sein darf. Am Ende musste meist ich das Biest spielen…

Auf unserem Retro-Mädchenabend mit in Schokolade getauchten Erdbeeren und Sekt haben wir das alte Schätzchen dann vor ein paar Wochen noch einmal ausgekramt. Disney Filme als “Erwachsener” zu schauen ist eigentlich viel lustiger, die hälfte aller Wortwitze versteht man nämlich erst wirklich, wenn man über Grundschule und Pubertät hinaus ist.

Andere Dinge werden einem erst beim bewussten Schauen klar: Überlegt man sich zum Beispiel, dass das Biest bis zu seinem 21. Geburtstag die Liebe seines Lebens gefunden haben soll (weil sonst die Rose verwelkt… Es für immer ein Biest bleibt… Ihr wisst Bescheid…) und zieht man die genannte Zeit, die das Schloss schon verzaubert ist von dieser Anzahl ab, kommt man zu dem Schluss, dass der arme Prinz wohl schon mit 12 oder 13 Jahren von der schönen Fee verzaubert wurde. Eine für mich erschreckende Erkenntnis, die viele Fragen aufwirft:

Warum darf ein zwölfjähriger PRINZ in einer stürmischen Winternacht allein einer alten Frau die Tür öffnen?

Gibt es bei Feen nicht so etwas wie Welpenschutz oder Jugendstrafrecht? Ist es wirklich angemessen ein Kind, das zugegebenermaßen ein wenig verwöhnt ist, in ein Biest zu verwandeln?

Wo zur Hölle waren der König und die Königin?

Ist es nicht ein bisschen zu viel verlangt bis zum 21. Geburtstag die große Liebe gefunden zu haben? Ich mein, ich kenne viele Leute die ihre große Liebe bis zum 30. noch nicht gefunden haben, und die leben nur im Kleinstadtgewirr von Rock City und nicht in einem bösen dunklen Wald voller Wölfe.

Und überhaupt: Wie alt ist eigentlich Belle? Ist das noch Jugendfrei?

Denkt man länger darüber nach, ist es doch erstaunlich, dass Disney Filme schon für kleine Kinder frei gegeben sind, wo doch an anderen Ecken scharf kritisiert und zensiert wird. Rückblickend musste ich feststellen, das Bambi wohl ganze Generationen von Kindern mehr verstört hat, als Jurassic Park, den außer mir alle Kinder aus meiner Klasse sehen durften, obwohl wir alle noch nicht zwölf waren…

Saure-Gurken-Zeit

26 Juni , 2009

Ich bin urlaubsreif, ganz eindeutig! Langsam schleppen sich die Vormittage dahin, und die Nachmittage vergehen noch langsamer. Ich zähle die verbleibenden Tage bis ich meinen Dienst hier quittiere und in das wohlverdiente Studentenleben wechsle, und betrüge mich dabei selbst, indem ich die aktuelle Woche einfach nicht mitzähle.

Draußen scheint die Sonne, 24 Grad. Viel zu warm, und erst recht viel zu warm um zu arbeiten. Hier drin herrscht Stille. Die Raucher verschwinden noch öfter zum Rauchen, die Kollegen ohne Abhängigkeit von einer Fahrgemeinschaft machen früh Feierabend, die Telefone stehen still. Urlaubszeit. Saure-Gurken-Zeit wie Journalisten zu sagen pflegen. Die wenigen Aufträge tröpfeln in kleinen Rinnsalen herein und ziehen sich wie weichgewordener Kaugummi in der Nachmittagssonne.

Die letzen Arbeitstage: Ich nehme sie durch eine dicke graue Wolke von Müdigkeit und Trägheit wahr. Noch vier einhalb Wochen (natürlich ohne diese). Ich denke an meinen bevorstehenden Urlaub. Träume von Pools, von Sand und Meer, von Wandertouren mit meiner Freundin Kath und von einer Leere, die hellblau und frisch ist und sich nicht wie eine durchgeschwitzte Winterdecke an einem viel zu warmen Sommermorgen anfühlt.

Zweisam Gemeinsam

19 Juni , 2009

Nach zwei Jahren gemeinsamen wohnens haben der Mann und ich nun unsere erste wirklich gemeinsame Anschaffung getätigt. Eine elektrische Zahnbürste – wie romantisch!

Es ist schon auffällig wie sehr man in einer langjährigen Beziehung die Eigenarten des anderen annimmt. Habe ich früher noch heimlich darüber gelästert, dass der Mann vor jedem Neukauf von irgendetwas erst einmal stundenlang das Internet bemühte um akribisch zu überprüfen ob das Gerät der Wahl auch wirklich das Beste, Günstigste und Empfehlenswerteste ist, so verbrachten wir heute unsere Mittagspause damit, miteinander telefonierend, sämtliche Zahnbürstenbewertungen eines großen Einkaufsportals eingehend zu studieren um die Zahnbürste der Zahnbürsten zu finden. Der Mann und ich, wissenschaftlich geprägt, setzten dabei auf klare Argumente und eindeutige Beweisführung:

Der Mann: “Sollten wir nicht die “Superbrush 2000″ nehmen? Die hat 57 Bewertungen, auch wenn sie teurer ist als die “Blitzblank 100″.”

Ich: “Na ich weiß nicht, die “Blitzblank 100″ hat zwar nur 27 Bewertungen, dafür sind die aber alle sehr gut und bei der “Superbrush 2000″ gab’s auch ein paar Unzufriedene.”

Der Mann: “Ja, aber das war nur wegen dem Akku, und ich weiß ja warum der bei denen so schnell kaputt gegangen ist. Man darf die Bürste halt nicht jeden Tag aufladen!”

Ich: “Aber in der Bewertung der “Blitzblank 100″ steht, dass sie vollkommen ausreichen würde, und dass der Hersteller sagt, dass man sie ohne Probleme jeden Tag laden kann!”

Der Mann: “Ja, was die Hersteller immer sagen! Lass uns die Superbrush nehmen, die ist bestimmt leiser.”

Ich: “Na gut, das ist ein Argument. Kunde Bert Huber schreibt hier nämlich zur Blitzblank “… nur dass sie so laut ist, das Leute im Nebenzimmer denken könnten, man Bohre gerade Löcher in die Wände.”

Der Mann: “Siehst du! außerdem fand ich die schon immer gut…”

Na ja, solang er nichtauf die Idee kommt, dass man das Design noch mit LED’s aufmotzen könnte…

Ein extremst ereignisreicher Mai liegt hinter und ein ereignisreicher Juni vor mir. Die Zeit scheint zu rasen. 150 Würstchen, 1,5 KG Nudelsalat und zehn Liter Kartoffelsuppe wurden auf meiner Geburtstagsparty letzten Monat ordnungsgemäß entsorgt und ehe ich mich versehe werden wohl auch die letzten beiden übrig gebliebenen einsamen Bierkästen Ende Juli auf einer “Work’s out”-Party in die ewigen Jagdgründe eingehen.

Das WGT (Wave Gotik Treffen) brachte neben der Erkenntnis, dass es sich wegen berufstauber Tontechniker nicht lohnt Konzerte unbekannter Bands auf Festivals zu schauen (”Frag mich: “Welche Musik macht XY?” Ich sage dir bei den Soundeinstellungen: “Sie spielen Bass und Schlagzeug!”.) auch neue Informationen darüber wie viele Gruftis in eine Leipziger Straßenbahn passen und wie man Vampire erkennt (Wen das interessiert dem kann ich Marc Bennecke sehr ans Herz legen!).

Bevor es wieder aufgeht in das nächste Wochenendabenteuer, mit der Hoffnung meinen Schlafmangel irgendwann wieder ausgleichen zu können, möchte ich euch eins noch ans Herz legen:

Geht Sonntag wählen!

Die Bleilaus findet: Wer nicht wählen geht darf sich auch nicht beschweren, so! ;)

Aufgeschnappt

27 Mai , 2009

“Freiheit heißt auch, dass sie nicht grenzenlos ist.”

- (Zens)Ursula von der Leyen, Interview Spiegel Online 26.05.2009 -

Urlaubsgrüße

20 Mai , 2009

Der Hahn ist im Urlaub, seit zwei Wochen. Endlich, wie er und auch wir finden, schließlich hat er ja noch etliche Überstunden abzufeiern. So ganz loslassen kann er aber doch nicht, und deswegen ruft er von Zeit zu Zeit an oder huscht nach Feierabend mal ins Büro um nach dem Rechten zu schauen.

Heute rief er an, um zu fragen, ob unser allfreitägliches, bzw. vorwochenendliches Grillen statt fände. Auf mein verneinen und die Frage hin ob er seinen Urlaub genieße antwortete er doch tatsächlich: “Ja klar! Ich hab euch schon fast vergessen!” Tsss, na der scheint sich ja wirklich zu erholen… ;)

Nederlands Praten

12 Mai , 2009

Hartelijk Welkom bij het “loodluisje”!

Letzte Woche war es ja etwas still um mich, was daran lag, dass ich durch meinen Niederländisch-CrashKurs nur noch niederländisch denken konnte, was zum Schreiben auf Niederländisch jedoch noch lange nicht reichte.

Am Anfang solcher Kurse bin ich ja immer etwas skeptisch, immerhin bin ich ganz froh die Schule jetzt seit ganzen drei Monaten endgültig hinter mir gelassen zu haben. Vielleicht war ich gerade deshalb so überrascht darüber, dass ich mir schon am ersten Tag vorstellen konnte den Kurs noch einige Monate weiter zu führen, was wohl  daran lag, dass die Lernmethoden mit der Wissensvermittlung auf meiner alten Schule wenig gemein hatten. Unser Dozent war nämlich überzeugt davon, dass man eine Sprache nur über’s Sprechen, und nicht das Pauken von Vokabeln und Grammatik lernt – eine Einstellung die ich durchaus teile.

Niederländisch ist nicht nur recht einfach zu lernen, wenn man fließend Deutsch spricht, es ist auch noch eine unglaublich witzige Sprache, besonders in Kombination mit einem überaus sarkastischem Dozenten, der vor der andauernden Wiederholung bestimmter Laute zur Demonstration ihrer Aussprache nicht zurückschreckt (”De “g” (sprich “chhhh”) en de “oe” (sprich “uh”), de “g” en de “oe”…”.

Vom fließenden Niederländisch bin ich nach einer Woche natürlich noch weit entfernt, trotzdem kann ich es kaum erwarten mein neu erworbenes Wissen am Wochenende auszuprobieren und mich beim Bestellen von Frikandel speciaal, Kipvingers und Poffertjes ordentlich zu blamieren ;)

Auf nach Zealand!

Aufgeschnappt

28 April , 2009

“Wo der Deutsche nur eine Baustelle sieht, sieht der Franzose einen ganzen Haufen von Argumenten.”

-Frontal 21 am 28.04.09 -

Adobe (arab.-span.) der; -, -s: luftgetrockneter Lehmziegel

Und ich dachte immer, das wäre eine Software-Firma…

Made in Germany

24 April , 2009

“Früher gab es noch richtige Qualitätsarbeit.”, meint nicht nur meine Oma, die eine knapp sechzig Jahre alte Küchenmaschine von Bosch besitzt. Bosch ist mittlerweile ja hauptsächlich für seine Bohrer bekannt – geübt haben sie für diesen Ruf wohl damals schon.

Die Küchenmaschine meiner Oma kann nicht nur raspeln, schneiden und pürieren, sondern ist gleichzeitig auch als Bohrmaschine einsetzbar. Da meine Oma das Bohren aber lieber meinem Vater überlässt, bereitet sie mit ihrem orangen Plastikkasten hauptsächlich Kartoffeln für ihre legendären Reibekuchen vor.

Omas Reibekuchen sind sogar in Amerika und Australien bekannt, wo ihre Cousine und ihr Cousin leben, die meine Oma “Tante Lotti” nennen – meine Ur-Groß-Cousine mit wunderbarem amerikanischem Akzent, was dann wie “Taaante Loddi” klingt.

“Taaante Loddi”, sagte meine Ur-Groß-Cousine letztlich noch auf der Beerdigung meines Großonkels, “bei dir gab es immer leckeres Essen, und wenn es nur diese Kartoffel-Pancakes waren. ” Dass die “Kartoffel-Pancakes” noch immer mit der gleichen Küchenmaschine gemacht werden, würde sie wohl ernsthaft erstaunen, zumal ich meiner Oma noch vor einigen Monaten dazu geraten hatte sich eine neue zu kaufen. “Oma, die Kabel liegen blank, du solltest die Maschine wirklich nicht mehr benutzen!” (Meine Oma neigt manchmal zu Leichtsinn, was an ihrem Alter liegen mag, oder an ihrem, durch meine Mutter diagnostiziertem, ADS-Syndrom.)

Auf dem Weg zur Mülltonne war meiner Oma jedoch ihr kauziger russischer Nachbar begegnet, der eine Art Hobbywerkstatt in seiner Garage eingerichtet hat, in der er im Sommer eigentlich den ganzen Tag verbringt. “Oma, giebst du mirrr Maschine, isch schaue mirrr aan.”, hatte er zu meiner Oma gesagt und war mit der Maschine in die Garage verschwunden.

So kam es, dass Omas Küchenmaschine nun in frischem Glanz mit neuem Kabel in ihrer kleinen Wohnung steht. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann raspeln sie noch heute Kartoffeln für die guten, saftigen und braungoldenen Reibekuchen, die noch dampfend mit Apfelmus bestrichen verspeist werden.