… des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung.

Für viele Schüler auf meiner Schule bedeutete diese Passage von Kant lange Zeit das Grauen. Es war die Passion meines Geschichtslehrers, Herrn K., diese Passage in unsere Köpfe zu hämmern. Jeden Morgen auf’s Neue ging er durch die Klasse, nickte einem Einzelnen unter Begleitung eines tiefen, rauchigen „Büdde“, zu und ließ die Sätze immer und immerzu wiederholen. Manchmal, wenn wir ehemaligen Schüler uns auf der Straße treffen, raunen wir uns die Worte gegenseitig zu, wie einen Geheimcode.

Mein Geschichtslehrer ist vor kurzem gestorben. Ich habe nur durch Zufall davon erfahren. Der Nachruf liest sich wie immer sachlich, und sagt höchstens zwischen den Zeilen ein wenig über das Verhältnis zwischen Herrn K. und seinen Schülern aus.

Herr K. war mit Sicherheit nicht der beliebteste Lehrer an unserer Schule, aber wohl einer der Wenigen, vor dem die Schüler gebührenden Respekt hatten. In seinem Unterricht konnte man eine Stecknadel fallen hören, ohne, dass er dazu seine Stimme heben musste. In meiner Erinnerung steht er an den Lehrertisch gelehnt, und diktiert mit ruhiger, tiefer Brummstimme seitenlange Abhandlungen über die Französische Revolution und die Renaissance, die er nach einem komplizierten System in verschiedene Abschnitte gliederte. Es war schwer unter diesem monotonen Gebrumme nicht einzuschlafen, zumal Herr K. die Angewohnheit besaß seine Diktate mittendrin zu unterbrechen um eine Frage zu stellen. „Die Renaissance war die Wiedergeburt der Antike…“, kurzer Blick in die Klasse, und weiter in gleicher Stimmlage, „Wessen Wiedergeburt war die Renaissance? …….. Büdde!“. Die von der irritierten Schülerin gegebene Antwort „Jesus Christus?“ hat ihn nicht sehr glücklich gemacht. Die Diktate habe ich alle aufgehoben.

Herr K. hatte oft mit Schülern zu kämpfen, die ihn einfach nicht verstanden, seine Notengebung unfair fanden, obwohl man im Großen und Ganzen sagen konnte, dass jeder die verdiente Bewertung erhielt. Ich denke im Nachhinein, dass er als Dozent an der Uni wahrscheinlich besser aufgehoben gewesen wäre, als im Unterricht der siebten Klasse.

Zu seiner Verabschiedung haben wir ihm einen Gutschein für die Eisdiele geschenkt. Ich glaube, er hat ihn nie eingelöst, aber gefreut hat er sich trotzdem.

Es ist schade, dass ich ihn nach diesem Tag nie wieder gesehen habe, in den letzten Jahren hab ich öfter gedacht, dass ich mich noch mal gerne mit ihm unterhalten hätte, jetzt, wo ich ein bisschen älter bin.

www.wulffmorgenthaler.com

Wulff Morgenthaler

(*hmpf* Ich find keine Möglichkeit diese Grafik vernünftig einzufügen :( Versucht es mal mit Rechtsklick, „Grafik anzeigen“)

Als ich letztlich mit einem Freund die Buchhandlung durchstreifte fiel mir der Ratgeber „Scheidung aber fair!“ nebst einigen anderen Scheidungsratgebern ins Auge… Ich weiß nicht, was ich dazu schreiben soll, außer, dass der Gedanke daran irgendwie seltsam ist…

Frauendinge…

25 August , 2008

Ein Tag fängt gut an, wenn man die Druckerei betritt und als erstes gefragt wird: „Bist du noch müde?“.

Ich erkläre ausführlich, dass ich sehr wenig Schlaf hatte, weil ich von einem Psychopathen geträumt habe, der mit einem Messer lustige Muster in meinen Oberkörper ritzt. Es folgt eine kurze Stille, dann sagt unser Druckerlehrling: „Oh, du siehst auch ganz fertig aus!“. Na Danke!

Es ist zwar Montag und mein Schlaf war sicher nicht der beste, aber a) habe ich heute Morgen unter Aufbietung all meiner visagistischen Fähigkeiten versucht mein Gesicht zu remodellieren und b) habe ich eine neue Frisur und Haarfarbe. Zugegeben, der Sprung von schwarz-blau zu schwarz-rot-organdi ist jetzt nicht unglaublich, aber wie ich finde durchaus sichtbar.

Ich schleiche also leicht desillusioniert in das Großraumbüro. Meine Arbeitskollegin mustert mich prüfend: „Warst du beim Friseur?“ Ich denke: „Har har!!! Frauen fällt so was doch immer direkt auf!“. Ich nicke. Sie lächelt und sagt: „Jetzt siehst du ja wieder richtig menschlich aus!“ Ja, meine Arbeitskollegen sind ehrlich. Manchmal schamlos ehrlich.

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Es hat viele Vorteile kleiner zu sein als die Menschen um einen herum. Ich muss selten schwere Dinge tragen, werde bei Konzerten von netten Jungs auf die Schultern gehoben und bekomme regelmäßig die Klamotten meiner Freundinnen, weil die ja „so fett“ geworden sind. Durch letzteres bin ich sehr verwöhnt geworden. Ich muss nicht mehr shoppen gehen um für mich passende Klamotten zu finden, also tue ich es auch sehr selten und ungern. Ab und zu ist das aber leider doch nötig, und endet jedes Mal mit einem kleinen Nervenzusammenbruch.

Letzte Woche war es mal wieder so weit. Bei einem Blick in meinen begehbaren Kleiderschrank (der eigentlich ein kleiner Raum neben unserem Schlafzimmer ist) musste ich feststellen, dass ich einfach nichts mehr anzuziehen habe. Also auf ins Einkaufsparadies…

Es gibt Läden, deren Magie ich mich nicht entziehen kann, obwohl ich dort selten Klamotten finde, die mir gefallen oder passen, geschweige denn beides. So sei hier ein Kaufhaus mit Namen einer großen Stadt als Beispiel genannt in das es mich immer wieder zieht, als hätten die bunten, von Kindern produzierten Billig-Klamotten eine unglaubliche, geheime Macht. Etwas nüchterner kann man es auch als perfektes Marketing bezeichnen, dem auch ich nicht wirklich standhalte.

Ich trete also ein, durchforste mit meinen Adler-Shopping-Augen, begleitet von grausiger musikalischer Untermalung (Mein absoluter Favorit ist ja Mika, der mit eunuchenhafter Stimme „Relax, take it heaheaaaaaaaasyyyyyyyyyyyyyyyyyyyy“ flötet), die untere Abteilung. Plastik-Lederjacken, hauchdünne T-Shirts, ein ca. zwölfjähriges Mädchen probiert sagenhaft hohe Lack-Highheels an. Ok, vielleicht ist sie auch vierzehn. Im Schätzen war ich nie sehr gut.

Ich finde High-Heels müssten eigentlich „High-Hells“ heißen. High-Heels sind so eine typische Frauenlüge. Ich frage meine Bekannte: „Findest du es nicht unbequem den ganzen Tag auf so hohen Dingern rumzustacksen?“ „Nööööö! Die sind total bequem!!!“ Ja klar! Die gleiche Bekannte treffe ich wenige Tage später im Drogeriemarkt. In ihrem Einkaufswagen liegen Blasenpflaster „extra schützend“.

Na ja, jedenfalls denke ich „Gut, wenn sie sich ihre Füße kaputt machen will, bitte.“, erschrecke mich, weil ich wie meine Mutter klinge, verdränge den Gedanken, streife noch ein bisschen durch das bunte Elend und stelle fest, dass ich in einer pinken, durchsichtigen Bluse nun wirklich nicht zur Arbeit gehen kann. Genervt renne ich also durch noch zehn weitere Läden, finde alles doof und lande daheim vor dem Rechner, wo ich frustriert Katalogware bestelle, die ich dann anschließend zurückschicke, weil sie anders aussieht als im Katalog und auch nicht passt.

Bevor ich verzweifelt zusammenbreche, raffe ich mich zu einem letzten Hilferuf auf. Meine Freundin A. ist die Einzige, die mich jetzt noch retten kann: „Hilfe, ich hab nichts mehr anzuziehen, du musst mich beim shoppen beraten! Jetzt! Sofort! Ich bin am Ende!“ „Schon wieder? Ach, Bleiläuschen, komm doch erst mal vorbei, ich hab gerade meinen Kleiderschrank aufgeräumt…“

Dies und Das…

22 August , 2008

Ich hab mal gelesen, dass man sein optimales Schlafpensum bestimmen kann, in dem man während der Urlaubszeit immer zu einem bestimmten Zeitpunkt schlafen geht. Nach dieser Theorie habe ich einen Schlafbedarf von neun Stunden. Neun Stunden Schlaf… wenn ich Glück hab krieg ich die mal am Wochenende oder im Uraub, aber im normalen Alltag ist das ja wohl unmöglich zu schaffen! Ich stelle mir vor, wie ich jeden Tag um 17:30 Uhr nach Hause komme und mich um 21:00 Uhr ins Bett lege. 3 1/2 Stunden Freizeit. In meinen Gedanken sterben meine sozialen Kontakte, mein Freund verlässt mich, weil ich die 3 1/2 Stunden nicht fair genug mit meinen Hobbys, meinem Nebenjob, meinen Freunden und ihm teile, meine Familie redet nicht mehr mit mir, weil ich nie telefonisch erreichbar bin. Die einzige, die zu mir hält ist meine Oma, die jeden Tag um 19:00 Uhr den Sandmann trift und mich deswegen versteht…

Ich glaube ich bleibe lieber unausgeschlafen…

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Für einen Kunden habe ich einen Flyer erstellt. Das war im Februar. Seitdem rufe ich meine Ansprechpartnerin zu diesem Flyer ein Mal im Monat an. Ich habe nämlich immer noch keine Druckfreigabe und mir fehlt der Scan der Vorstandsunterschrift. Nächsten Monat gehe ich in Prüfungsvorbereitung. Spätestens nächstes Jahr im August arbeite ich nicht mehr hier. Meine Kolleginnen habe ich heute schon instruiert meine Erinnerungsanrufe weiter zu tätigen. Vielleicht geht der Flyer ja noch in Druck bevor ich hier aufhöre…

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Gestern haben wir endlich mal wirklich ausgiebig für die Abschlussprüfung gelernt. Dabei stellte sich die Frage: Was genau ist eigentlich ein Geviert? Unsere Fachbücher verwenden den Begriff zwar geradezu inflationär, im Stichwortverzeichnis findet man aber nirgendwo etwas Näheres. Für solche Fälle gibt es aber ja *trommelwirbel* Wikipedia!!! Wikipedia hält zwar auf jede Frage eine Antwort bereit, das heißt aber nicht immer, dass es die einfachste ist. Akribisch wie Chirurgen haben wir Satz für Satz auseinander genommen um zu folgendem Schluss zu kommen:

Der Name Geviert steht nicht etwa wie vermutet für „Viertel“ sondern ist ein altes Wort für „Quadrat“. Das Geviert stammt aus Zeiten zu denen noch mit einzelnen Bleilettern gedruckt wurde. Man stelle sich also einen einzelnen Bleibuchstaben vor, dieser ist so hoch wie die Schriftgröße plus ein Bisschen (Das „Fleisch“).

Nimmt man jetzt ein Quadrat, das so hoch und breit ist wie dieser einzelne Bleibuchstabe, hat man ein Geviert. Wofür zur Hölle braucht man ein Geviert? In der Senkrechten definiert das Geviert den Mindestzeilenabstand einer Schrift. In der Waagrerechten kann man es in verschiedene Unterteilungen aufteilen, z.B. 1/2 Geviert. Das ist die Maßgrundlage für Buchstabenabstände und sogenannte „Geviertstriche“. Der übliche Wortabstand beträgt übrigens ein Viertelgeviert.

Wieder ein bisschen schlauer…

… fallen einem hunderte Dinge ein, über die man noch schreiben kann.

Erst recht, wenn mal wieder so ein langweiliger Bürotag wie heute ist. Ich bin Mediengestalterin und habe wie die meisten meiner Artgenossen hart mit Word-Akrobaten und Möchtegern Designern zu kämpfen.

Erwähnen möchte ich an dieser Stelle, dass ich in der Forschung arbeite, sprich: Hier hat man ganz eigene Vorstellungen von Ästhetik und ihrer grafischen Umsetzung. Professoren sind überzeugt, dass Power Point ein adäquates Programm ist um Poster zu entwerfen (Zugegeben, Power Point ist ein großartiges Programm um mit nahezu hundertprozentiger Sicherheit Druckprobleme zu erzeugen!). Deswegen verbringen auch immer mehr Profs ihre teuere Arbeitszeit damit, vor dem Rechner zu hocken und in stundenlangem Aufwand ihre Poster zusammenzuklicken. Rieeeeesige Poster, von oben bis unten beschrieben – in Times New Roman, Schriftgröße 5 Pt, gespickt mit pixeligen, aus dem Internet oder aus irgendwelchen definitiv nicht hochauflösenden Forschungsprogrammen zusammengeklaubten Bildern und Graphen. Seitdem ich hier arbeite löst der Satz „Ich hab damal was vorbereitet…“ berechtigte Schweißausbrüche und Angstzustände bei mir aus.

Vielleicht haben Forscher beim „Gestalten“ das Gefühl ihre verborgene künstlerische Seite ausleben zu können. Vielleicht wollen sie die Kosten für die Grafikabteilung sparen. Vielleicht finden sie diese Poster aber auch wirklich schön und angemessen. Ich bekomme davon Geschwüre an den Augäpfeln und bin froh wenn diese anstößigen Pixelhaufen aus meinem Sichtbereich entfernt werden.

Aber nicht nur an meinem Arbeitsplatz verfolgen mich schlecht gestaltete Produkte. Genauso regelmäßig, wie ich ein 28-seitiges Magazin in meiner Freizeit layoute, bekomme ich tolle Anregungen vom besten Freund des Chefredakteurs, seines Zeichens Diplom Designer, der mir wahnwitzige Leseführungen oder großartige Bildanordnungen vorschlägt. Meine Gegenvorschläge, doch auch noch eine Leseanleitung zu designen, die wir dann dem Magazin beilegen können, findet er allerdings nicht so gut. Wenn es um Design geht bin ich schwer begeisterungsfähig. Meine Freunde nennen mich penibel, andere sagen ich währe ein Typographie-Faschist. Vielleicht bin ich beides.

Und ja, ich habe Vorurteile, und ich pflege sie täglich. Vorurteile gegen Forscher, Diplom Designer und Microsoft Office. Doch ich sehe auch Licht am Ende des Tunnels. Letztes Wochenende hielt ich zwei InDesign-Kurse auf dem JugendMedienEvent, als mich einer meiner Teilnehmer mit einem makellosen Schülerzeitungsdesign beeindruckte. Das Wissen dazu hatte er sich mit Tutorials erarbeitet. Geht doch!

Oh wie schön…

20 August , 2008

Ich habe meine alten Schülerzeitungs- und Lokalzeitungsredakteurartikel wiedergefunden!

Einen kann ich euch definitiv nicht vorenthalten, ich glaube er ist von 2002:

Auf Ministerreise mit Harald Schartau
Über Firmenbosse, Jungjournalisten und Cevapcici

Letzten Freitag hieß es früh aufstehen für 50 Jungjournalisten und ab in die Landeshauptstadt. Treffpunkt war das Landesministerium für Wirtschaft und Arbeit, wo die jungen Redakteure, eingeladen von JPNW und M. GmbH, ungeduldig auf den Minister warteten. Ein Einblick der besonderen Art, denn wer hat schon mal die Gelegenheit einen Tag mit einem Minister zu verbringen? Punkt 8:15 Uhr erschien ein gutgelaunter Herr Schartau und bestieg den Doppeldeckerbus, die Jugendlichen und einige Profijournalisten im Schlepptau. Schon während der Fahrt musste er sich einigen Interviewern und Fotografen stellen, beantwortete geduldig Fragen nach seinem Lieblingsfilm und griff gerne zu als man ihm saure Erdbeerweingummis anbot.

Erste Haltestelle der Tour, die unter dem Motto „Zukunft durch Technik“ stand, war das Siemens Testzentrum in W.. Nach einer kurzen Begrüßung wurde ein kleiner Snack gereicht, Herr Schartau beknabberte ein Käsebrötchen, und die Firma wurde vorgestellt.

Konzentriert lauschte der Minister dem Vortrag, die Beine überkreuzt und den Schnurrbart zwirbelnd, kommentierte er auch schon mal die ein oder andere Szene, während seine Pressesprecherin immer wieder Interviewanfragen oder wichtige Gespräche am Handy entgegennahm. „So oft kommen Ministerreisen nicht vor“, erzählte er mir während wir das Testgelände besichtigten, „die meiste Zeit sitze ich im Parlament, muss Fragen beantworten, Stellung nehmen oder ich nehme an Kabinettssitzungen teil.“ Fragen beantworten musste er an diesem Freitag auch und immer wieder posieren, posieren „Das gehört dazu wenn man Minister ist. Am besten sind immer die Fotos auf denen man Hände schütteln muss.“, grinste der ehemalige Chemielaborant und ja, Technik habe ihn schon immer interessiert, und nun sei es auch wichtig Jugendliche dafür zu interessieren.

Wie sehr ihn Technik interessiert sah man bei seiner Fahrt im neuen ICE3, der zur Zeit in W. getestet wird. Wie ein kleiner Junge fuhr der Minister stolz den schweren Zug „Aber einen Zugführer der mit 300 Sachen in einen Tunnel fährt beneide ich nicht! So, und jetzt bist du dran!“ Diese Aufforderung hatte ich nicht erwartet, aber es ist schon ein tolles Gefühl so einen Zug mit 130 km/h über die Schienen zu jagen. Anschließend kamen noch einige andere Schüler in den Genuss einer Fahrt, aber Harald Schartau bemerkte mit einem Zwinkern: „Das haben wir aber besser gemacht.“

Zeit zum Ausruhen war nach dieser Anstrengung aber nicht, denn Minister ist man nun mal non-stop, und so schaffte es Herr Schartau gerade noch ein paar Cevapcici vom Mittagsbuffet zu ergattern ehe ihn die Pflicht zu einem wichtigen Telefoninterview rief. „Aber das macht ja nichts, denn wie man sieht habe ich einige Reserven angesammelt, wodurch ich auch schon mal auf das Mittagessen verzichten kann.“

Nach einer kurzen Diskussionsrunde, bei der auch Zertifikate für die „ICE-Lokomotivführer“ vergeben wurden ging es zur zweiten und letzten Station des Tages, dem Unternehmen XY in GK.
Bei der Vorstellung des Unternehmens durch den Unternehmensvorsitzenden Dr. Peter Schimitzek zeigte sich, dass auch Minister nur Menschen sind. So wirkte Herr Schartau etwas müde, aber auch ein wenig verwirrt durch die vielen Zahlen und Fakten. Bei einer abschließenden Diskussionsrunde mit den Schülern, während der auch die Firmenpartnerschaft zwischen dem St. U. Gymnasium in GK und XY offiziell gemacht wurde, hatten die Jungredakteure noch einmal die Gelegenheit Fragen zu stellen.

Während des Abschiedsimbiss verkündet mir Herr Schartau sein Fazit des Tages: „ Sehr viele junge, interessierte Redakteure, ein journalistisches Highlight, interessante Betriebe, ein Bisschen viel Gequassel, aber, ich weiß nicht ob es Ihnen aufgefallen ist, während wir hier die ganze Zeit unterwegs waren hat der Frühling angefangen. Es ist zwar noch nicht richtig warm, aber die Sonne scheint schon aus voller Kraft.“

Juchuuu!

20 August , 2008

Ich hab es geschafft! Das erste Mal seitdem ich „on“ bin habe ich einen Usernamen gefunden, den noch niemand hat! Ich hätte die kleine Bleilaus wirklich früher entdecken müssen, aber sie hatte sich ziemlich gut versteckt zwischen den ganzen Lettern in den alten Sätzkästen unserer Druckerei. Mittlerweile gefällt es ihr aber ganz gut mit mir durchs WWW zu surfen und zu lesen was in der Welt so vorgeht. Lesen können sie nämlich ganz hervorragend, die Bleiläuse! Aber ist ja auch klar, wo doch Buchstaben ihr natürlicher Lebensraum sind ;)

… na ja, wenn es mal leise wäre… Es gibt Tage, oder sagen wir lieber mal Nächte, in denen ich unter Gewaltvorstellungen leide. Es fängt an mit einem leicht aggressiven Gefühl und breitet sich immer weiter aus, bis ich bereit bin im Morgenmantel auf den Balkon zu gehen und dort laut über die Häuser hinweg zu schreien.

Auslöser dieses Gefühls sind meine studentischen Nachbarn. Oh süßes Studentenleben – sobald ich nächstes Jahr studiere werde ich es diesen Säcken heimzahlen! Aber solange muss ich noch Arbeiten. Das heißt jeden Tag um spätestens halb sieben aufstehen, und abends um elf todmüde ins Bett fallen, um spätestens nach einer Stunde von dem schamanenhaften Gesang meines Nachbarn, der über meinem Schlafzimmer wohnt und meint auch noch ein unglaublich guter Gitarrenspieler zu sein, geweckt zu werden. Wenn er nicht gerade singt torkelt er auch schon mal durch die Wohnung und schmeißt dabei sämtliche Gegenstände um, schreit seine Freundin an, oder quietscht mit dem Waschbecken. Ja, richtig, er quietscht mit dem Waschbecken. Kennt ihr dieses Geräusch, wenn man sich auf ein altes Waschbecken abstützt? Dieses Geräusch wird durch die Wände unserer Altbauwohnung wunderbar auf Discolautstärke erhöht und hat mir schon so manch unruhige Nacht bereitet. Mein Freund und ich haben uns schon nächtelang den Kopf darüber zerbrochen was er da oben anstellt. Mittlerweile sind wir uns einig, dass er den Versöhnungssex mit seiner Freundin vermutlich auf dem Rande seines Waschbeckens zelebriert… Nachdem ich ihm letztlich einen bösen Brief in den Briefkasten geworfen habe, hat er zumindest aufgehört zu singen. Danke!!!

Aber, da wir in einer etwas, sagen wir mal ungewöhnlich geschnittenen Wohnung leben, das Schlafzimmer liegt in einem anderen Haus als der Rest der Wohnung, haben wir auch noch Nachbarn über dem Wohnzimmer. Ich kann mir das Verhalten mancher Leute einfach nicht erklären… Was zur Hölle bewegt einen dazu, sich in einem Alter von über fünf Jahren auf den Boden zu werfen, laut darauf zu hämmern und zu schreien, und auf die Frage hin, ob man helfen könne kackendreist zu behaupten, das müsse von woanders herkommen?! Ich bin umgeben von Vollidioten! Vor einigen Monaten haben die beiden endlich das Feld für neue Bewohner geräumt. Ruhe! Wunderbare Rhe! Seitdem hat über uns nichts mehr gepoltert oder geschrien. Zumindest nicht über dem Wohnzimmer.

Unseren Schlafzimmernachbarn treffe ich manchmal im Treppenhaus. Eigentlich ist er ja ganz nett, wenn er nicht gerade singt. Vielleicht bitte ich ihn demnächst einfach mal lieber leise zu wimmern, statt mit dem Waschbecken zu quietschen, zu poltern oder zu schreien…

„Zähl mir lieber auf was du isst!“ dieser Satz verfolgt mich seit meiner Kindheit, wenn ich versuche auf die Frage „Was soll ich kochen, wenn du vorbeikommst?“ zu antworten. Früher fiel die Liste der Dinge, die ich esse dann relativ kurz aus: Nudeln, Pizza. Basta. Hat die Auswahl ziemlich leicht gemacht fand ich immer.

Mittlerweile hat sich mein Essenshorizont erweitert. Ein Gourmet bin ich aber immer noch nicht. Also muss ich immer wieder erklären, dass ich gemüsetechnisch nur Rotkohl, Sauerkraut, Erbsen und Mais esse, Möhren nur roh, und man mir mit allem anderen Grünzeug bitte vom Leib bleiben soll. Ich hasse gekochtes Gemüse! Möhren werden dann weich, und so süß, dass man den Eindruck hat sie wären vor dem Kochen noch einmal in Zucker gewälzt worden. Bäh!

Aber auch mit Fleisch kann man mich nicht wirklich glücklich machen. Mein Freund nennt mich einen Hobbyvegetarier.
Das heißt: Ich esse Fleisch, aber wenig und selten, und am liebsten so, dass es möglichst wenig als Fleisch erkennbar ist.
Toll ist zum Beispiel Hackfleisch, oder auch Fleischwurst. Ein absolutes No-Go ist Braten.

Ich habe auch mal versucht Vegetarier zu sein, da war ich glaub ich zwölf. Ich kann mich noch genau an die sündhaft teuren Soja-Würstchen zur Linsensuppe erinnern, die so widerlich schmeckten, dass ich mein Vegetarierdasein am nächsten Tag aufgegeben habe. Linsensuppe ohne Würstchen! Das geht nicht!

Fast auf meiner Liste vergessen hätte ich noch Eier. Ich glaube ich habe seit ungefähr elf Jahren kein reines Ei mehr gegessen. Wie es dazu gekommen ist weiß ich nicht mehr genau. Ich glaube das ursprüngliche Schlüsselerlebnis war die Tatsache, dass ich mit zehn herausfand, dass die Eier unseres Eierbauern aus der Legebatterie kommen. Mittlerweile finde ich Eier einfach irgendwie eklig. Meine Oma versteht das bis heute nicht. Wenn ich schon mal von Zeit zu Zeit ihre Couch zum Übernachten in Anspruch nehme erwartet mich jeden Morgen ein frisch gekochtes Frühstücksei.

Mittlerweile habe ich einen dankbaren Abnehmer für alle Dinge, die ich nicht esse gefunden. Meinen Freund. Der Arme wird von mir hemmungslos vollgestopft. Hm… vielleicht bin ich doch schuld daran, dass alle Leute in meiner näheren Umgebung zunehmen. Mein Vater hat jedenfalls wieder abgenommen, seitdem ich nicht mehr zu Hause wohne…
Wie auch immer…

Nach diesen Ausführungen werde ich immer gefragt, ob ich überhaupt irgendwas esse. Zugegeben, Luft und Liebe reichen auch mal für einen Tag, aber ansonsten tue ich mich an Kohlenhydraten gütlich. Beilagen! Nudeln, Pizza (gerne auch aus der Tiefkühltruhe), Reis, Kartoffeln. Und das Ganze am liebsten mit einem leckeren Sahnesößchen!
So viel hat sich also zu Früher nicht geändert, ich bin immer noch ein leicht glücklich zu machender Essensgast.