Wenn man erst einmal wieder angefangen hat…
21 August , 2008
… fallen einem hunderte Dinge ein, über die man noch schreiben kann.
Erst recht, wenn mal wieder so ein langweiliger Bürotag wie heute ist. Ich bin Mediengestalterin und habe wie die meisten meiner Artgenossen hart mit Word-Akrobaten und Möchtegern Designern zu kämpfen.
Erwähnen möchte ich an dieser Stelle, dass ich in der Forschung arbeite, sprich: Hier hat man ganz eigene Vorstellungen von Ästhetik und ihrer grafischen Umsetzung. Professoren sind überzeugt, dass Power Point ein adäquates Programm ist um Poster zu entwerfen (Zugegeben, Power Point ist ein großartiges Programm um mit nahezu hundertprozentiger Sicherheit Druckprobleme zu erzeugen!). Deswegen verbringen auch immer mehr Profs ihre teuere Arbeitszeit damit, vor dem Rechner zu hocken und in stundenlangem Aufwand ihre Poster zusammenzuklicken. Rieeeeesige Poster, von oben bis unten beschrieben – in Times New Roman, Schriftgröße 5 Pt, gespickt mit pixeligen, aus dem Internet oder aus irgendwelchen definitiv nicht hochauflösenden Forschungsprogrammen zusammengeklaubten Bildern und Graphen. Seitdem ich hier arbeite löst der Satz „Ich hab damal was vorbereitet…“ berechtigte Schweißausbrüche und Angstzustände bei mir aus.
Vielleicht haben Forscher beim „Gestalten“ das Gefühl ihre verborgene künstlerische Seite ausleben zu können. Vielleicht wollen sie die Kosten für die Grafikabteilung sparen. Vielleicht finden sie diese Poster aber auch wirklich schön und angemessen. Ich bekomme davon Geschwüre an den Augäpfeln und bin froh wenn diese anstößigen Pixelhaufen aus meinem Sichtbereich entfernt werden.
Aber nicht nur an meinem Arbeitsplatz verfolgen mich schlecht gestaltete Produkte. Genauso regelmäßig, wie ich ein 28-seitiges Magazin in meiner Freizeit layoute, bekomme ich tolle Anregungen vom besten Freund des Chefredakteurs, seines Zeichens Diplom Designer, der mir wahnwitzige Leseführungen oder großartige Bildanordnungen vorschlägt. Meine Gegenvorschläge, doch auch noch eine Leseanleitung zu designen, die wir dann dem Magazin beilegen können, findet er allerdings nicht so gut. Wenn es um Design geht bin ich schwer begeisterungsfähig. Meine Freunde nennen mich penibel, andere sagen ich währe ein Typographie-Faschist. Vielleicht bin ich beides.
Und ja, ich habe Vorurteile, und ich pflege sie täglich. Vorurteile gegen Forscher, Diplom Designer und Microsoft Office. Doch ich sehe auch Licht am Ende des Tunnels. Letztes Wochenende hielt ich zwei InDesign-Kurse auf dem JugendMedienEvent, als mich einer meiner Teilnehmer mit einem makellosen Schülerzeitungsdesign beeindruckte. Das Wissen dazu hatte er sich mit Tutorials erarbeitet. Geht doch!