Frauendinge…
25 August , 2008
Ein Tag fängt gut an, wenn man die Druckerei betritt und als erstes gefragt wird: „Bist du noch müde?“.
Ich erkläre ausführlich, dass ich sehr wenig Schlaf hatte, weil ich von einem Psychopathen geträumt habe, der mit einem Messer lustige Muster in meinen Oberkörper ritzt. Es folgt eine kurze Stille, dann sagt unser Druckerlehrling: „Oh, du siehst auch ganz fertig aus!“. Na Danke!
Es ist zwar Montag und mein Schlaf war sicher nicht der beste, aber a) habe ich heute Morgen unter Aufbietung all meiner visagistischen Fähigkeiten versucht mein Gesicht zu remodellieren und b) habe ich eine neue Frisur und Haarfarbe. Zugegeben, der Sprung von schwarz-blau zu schwarz-rot-organdi ist jetzt nicht unglaublich, aber wie ich finde durchaus sichtbar.
Ich schleiche also leicht desillusioniert in das Großraumbüro. Meine Arbeitskollegin mustert mich prüfend: „Warst du beim Friseur?“ Ich denke: „Har har!!! Frauen fällt so was doch immer direkt auf!“. Ich nicke. Sie lächelt und sagt: „Jetzt siehst du ja wieder richtig menschlich aus!“ Ja, meine Arbeitskollegen sind ehrlich. Manchmal schamlos ehrlich.
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Es hat viele Vorteile kleiner zu sein als die Menschen um einen herum. Ich muss selten schwere Dinge tragen, werde bei Konzerten von netten Jungs auf die Schultern gehoben und bekomme regelmäßig die Klamotten meiner Freundinnen, weil die ja „so fett“ geworden sind. Durch letzteres bin ich sehr verwöhnt geworden. Ich muss nicht mehr shoppen gehen um für mich passende Klamotten zu finden, also tue ich es auch sehr selten und ungern. Ab und zu ist das aber leider doch nötig, und endet jedes Mal mit einem kleinen Nervenzusammenbruch.
Letzte Woche war es mal wieder so weit. Bei einem Blick in meinen begehbaren Kleiderschrank (der eigentlich ein kleiner Raum neben unserem Schlafzimmer ist) musste ich feststellen, dass ich einfach nichts mehr anzuziehen habe. Also auf ins Einkaufsparadies…
Es gibt Läden, deren Magie ich mich nicht entziehen kann, obwohl ich dort selten Klamotten finde, die mir gefallen oder passen, geschweige denn beides. So sei hier ein Kaufhaus mit Namen einer großen Stadt als Beispiel genannt in das es mich immer wieder zieht, als hätten die bunten, von Kindern produzierten Billig-Klamotten eine unglaubliche, geheime Macht. Etwas nüchterner kann man es auch als perfektes Marketing bezeichnen, dem auch ich nicht wirklich standhalte.
Ich trete also ein, durchforste mit meinen Adler-Shopping-Augen, begleitet von grausiger musikalischer Untermalung (Mein absoluter Favorit ist ja Mika, der mit eunuchenhafter Stimme „Relax, take it heaheaaaaaaaasyyyyyyyyyyyyyyyyyyyy“ flötet), die untere Abteilung. Plastik-Lederjacken, hauchdünne T-Shirts, ein ca. zwölfjähriges Mädchen probiert sagenhaft hohe Lack-Highheels an. Ok, vielleicht ist sie auch vierzehn. Im Schätzen war ich nie sehr gut.
Ich finde High-Heels müssten eigentlich „High-Hells“ heißen. High-Heels sind so eine typische Frauenlüge. Ich frage meine Bekannte: „Findest du es nicht unbequem den ganzen Tag auf so hohen Dingern rumzustacksen?“ „Nööööö! Die sind total bequem!!!“ Ja klar! Die gleiche Bekannte treffe ich wenige Tage später im Drogeriemarkt. In ihrem Einkaufswagen liegen Blasenpflaster „extra schützend“.
Na ja, jedenfalls denke ich „Gut, wenn sie sich ihre Füße kaputt machen will, bitte.“, erschrecke mich, weil ich wie meine Mutter klinge, verdränge den Gedanken, streife noch ein bisschen durch das bunte Elend und stelle fest, dass ich in einer pinken, durchsichtigen Bluse nun wirklich nicht zur Arbeit gehen kann. Genervt renne ich also durch noch zehn weitere Läden, finde alles doof und lande daheim vor dem Rechner, wo ich frustriert Katalogware bestelle, die ich dann anschließend zurückschicke, weil sie anders aussieht als im Katalog und auch nicht passt.
Bevor ich verzweifelt zusammenbreche, raffe ich mich zu einem letzten Hilferuf auf. Meine Freundin A. ist die Einzige, die mich jetzt noch retten kann: „Hilfe, ich hab nichts mehr anzuziehen, du musst mich beim shoppen beraten! Jetzt! Sofort! Ich bin am Ende!“ „Schon wieder? Ach, Bleiläuschen, komm doch erst mal vorbei, ich hab gerade meinen Kleiderschrank aufgeräumt…“