Schulfrust

10 September , 2008

Berufsschule *gähn*. Hat man in der Vergangenheit Schule bereits häufig für Zeitverschwendung oder zumindest als Erschwernis der Lebensumstände betrachtet, so stellt einen der Berufsschulunterricht vor ganz neue Herausforderungen.

Sich im ersten Lehrjahr eines Berufes einzureden, dass Sport und Religion für die weitere Berufslaufbahn nur zuträglich sein können, gestaltet sich zum Beispiel weitaus schwieriger, als sich vorzumachen, dass man in seiner geisteswissenschaftlichen Karriere mit Sicherheit einmal Kurvendiskussionen durchführen wird.

Idealisten würden jetzt sagen: „Sport ist doch immer sinnvoll, und Religionsunterricht hält den Geist ein wenig fit.“ Das mag zwar prinzipiell richtig erscheinen, in dem Moment in dem man aber am Arbeitsplatz etliche Aufträge zur Bearbeitung liegen hat und seelenruhig im Unterricht über Gott und die Welt diskutieren muss, eher irrelevant wirken.

Mittlerweile hab ich es fast geschafft. Ich habe meine Ausbildungszeit verkürzt und stehe kurz vor meiner Abschlussprüfung.

In Deutsch besprechen wir die Groß- und Kleinschreibung, wobei unsere Deutschlehrerin bemerkt: „Die Übungsblätter sind etwas kompliziert beschrieben, ich glaube die sind für Gymnasiasten!“. Ein Grummeln der Empörung geht durch die Reihen. 80 Prozent meiner Klassenkameraden hat ein Gymnasium besucht und Abitur. Ich auch. Zugegeben, meine Ausbildung ist auf einen vorangegangenen Realschulabschluss angelegt. Doch seien wir mal ehrlich: Auch mit Realschulabschluss kann man normalerweise Nomen von Verben unterscheiden. Außerdem sollte das Unterrichtsniveau doch an die Schülerschaft anpassbar sein… Aber das wir eine lernwillige, engagierte Klasse sind interessiert in Zeiten der Berichterstattung über Horror-Hauptschulen und sinkendem Niveau aller Schulen wohl niemanden. Ich sehne mich zurück in den Deutsch-LK. Was würde ich darum geben noch mal Goethe, Kafka oder Brecht interpretieren zu dürfen. Selbst meine Abiturklausuren würde ich jetzt mit Freude noch mal schreiben.

Von zahlreichen anderen Frustfaktoren, die einem das Thema Schule nach der Schule eindeutig verderben, da seien z.B. Kopfnoten bei über 18-Jährigen und die wahllose Notengebung allgemein genannt (Ich stelle erst jetzt fest wie wenig ich die faire Notengebung auf meiner vorherigen Schule zu würdigen wusste), möchte ich gar nicht ausführlicher anfangen.

Was mir bleibt ist die Hoffnung auf die Abschlussprüfung, und das Wissen, dass das Thema Schule für mich dann endlich komplett vorbei ist.

Warum Deutschland in der Pisa-Studie so schlecht abschneidet, ist mir allerdings in meiner ganzen Schullaufbahn noch nie ein Rätsel gewesen. Aber Schüler werden ja nur getestet, und nicht befragt…

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