Ansprache
10 Oktober , 2008
„Wenn ich Single bin, spricht mich in der Disco keine Sau an!“ beklagte ich mich letztens bei meinem Kumpel Hörnchen (der diesen Namen wegen seiner ehemals exotischen Frisur weg hat), der gerade Single geworden war und mit mir philosophierte wie man am besten Anhänger des anderen Geschlechts anwirbt. „Ja, aber das ist doch so“, meinte er „wenn du total aufgestylt in der Disco sitzt, dann siehst du einfach so gut aus, dass sich keiner traut dich anzusprechen, weil alle meinen sie hätten eh keine Chance. Du müsstest mal so wie jetzt hingehen, ungeschminkt, Brille, normalere Klamotten, dann würde dich auch jemand ansprechen!“. (Ok, das heißt also: Normal seh ich nicht gut aus, aufgestylt schon, oder wie?! Ich werde das auf jeden Fall mal im Hinterkopf behalten. Wenn ich mit 60 wieder Single bin werde ich dann bestimmt auch aufgestylt angesprochen…)
Wenn ich abends von der Arbeit komme, muss ich quer durch die Innenstadt um zu meiner Wohnung zu gelangen. Auf diesem Weg nehme ich so ziemlich jeden blöden Studenten mit, der mir irgendeinen Spendenvertrag für die Greenpeace, WWF, seine Oma andrehen will, und sie sprechen immer zielstrebig mich an. Ich habe schon länger vermutet, dass es da einen Zusammenhang mit Hörnchens These geben muss, aber gestern hat es sich dann eindeutig bewahrheitet.
Ich kämpfte mich durch die ungewöhnlich volle Innenstadt, fluchte in mich heinein über die Spaziergänger die sich im Schneckentempo vorwärts bewegen, die Menschen die mitten im Gehen stehen bleiben und sich dann aufregen, dass man sie anrempelt, fluchte über den üblichen Feierabendverkehr und meine unglaublichen Kopfschmerzen, wegen denen ich meine Augen kaum offen halten konte. Ich lief also fluchend, mit schiefem, zum Boden gerichtetem Gesicht, Augenringen und schnellen Schrittes über die Einkaufsstraße, als mich zwei Studis musterten, sich ein „Die ist perfekt“ zuraunten und mir in den Weg sprangen: „Hey, du…“. „NEIN DANKE!„.
Ich hörte noch wie er mir ein „Kannten wir uns schon?“ zurief, aber da hatte ich ihn und seinen Kumpel schon hinter mir gelassen.
Die Erkenntns kam zu Hause, nach einer Kopfschmerztablette, einem heißen Tee, und zehn Minuten Couchruhe: „Um von Männern angesprochen zu werden, muss man Mut zum Verfall haben!“
Es muss bedarf mitnichten des Verfalls, holde Bleilaus.
Ich wurde Gestern Abend heftig gescholten, weil ich eine Freundin meiner Regierung, trotz wohl überdeutlichen Winkens übersehen habe, als ihr Auto in der Schlange vor der Ampel vor meinem Stand. Meine Antwort darauf war ganz einfach:
„Werd’ ein Lamborghini, dann beachte ich Dich ganz sicher!“
Das wäre mein Vorschlag einer Lösung.
)
Das „muss“ behalte ich und kaufe dafür ein „Z“ für schlechte Zeiten.
Komisch, ich werde in der Disco staendig angesprochen. Vielleicht style ich mich scheisse… oder die Maenner hier sind einfach respektloser oder verzweifelter…
@Der Rennfahrer: Na ja, Bekannte übersehen passiert mir ja auch, selbst wenn dieseschreiend und winkend vor mir stehen, das liegt aber dann eher am in-Gedanken-sein
@kath: *lach* Du hast den Alienfaktor, Baby. Das darfst du im Ausland nie unterschätzen (Denk da mal an einen bestimmten Amerikaner
)! Da fällt mir eine lustige Florenzgeschichte für einen meiner nächsten Blogs ein…
Hmm, ich hab die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass es Männer gibt, die einfach keine super-aufgestylten Frauen wollen. Mal optimistisch betrachtet
An der These ist irgendwo noch ein Haken. Als ich eine kleine (nagut wirklich klein war ich da auch nicht *g*) graue Maus war hat mich keiner angequatscht und heute spricht mich auch keiner an. Irgendwie hat mich noch nie ein Mann angsprochen… hm… wie hab ich eigentlich meine bisherigen Lebensabschnittsgefährten kennen gelernt? *denk*