Bleilaus-Racing
31 März , 2009
Mit dem Auto fahre ich wie ein Opa. „Wenn schon, dann wie eine Opine,“ sagt der Mann, und ergänzt, „eine junge Opine!“. Zu meiner Verteidigung muss ich sagen, dass ich meine Fahrkünste mangels Auto nur an wenigen Tagen im Jahr ausübe, und quasi nur, wenn ich dazu gezwungen bin, wie letztes Wochenende, als der Mann und ich einen Termin in der Eifel hatten – Kein Bahnhof weit und breit.
Die Eifel ist verdammt groß. Sie reicht mal locker bis ins benachbarte Bundesland, und wenn man beim Autofahren wieder die gleiche leichte Todesangst wie während der Fahrprüfung verspürt, können sich 180 km ewig ziehen.
„Ich fahre, wie die Leute über die ich mich morgens als Beifahrer aufrege!“ heule ich verzweifelt über meine Verzweiflung die Kurven nicht elegant wie die anderen Autofahrer mit 80 km/h, sondern mit 60 zu nehmen. Es ist war, als Beifahrer schimpfe ich mindestens genau so gut wie mein Fahrer Jojo, der mich jeden Morgen mit zur Arbeit nimmt.
Der Mann aber hat Nerven aus Stahl. Er schafft es auf Hin- und Rückfahrt (im Dunkeln!) meinen Adrenalinspiegel im Rahmen zu halten, er beruhigt mich in den Kurven und letztendlich weist er mich zielsicher in die Parklücke ein. Geschafft! „Ich hasse Auto fahren!“ seufze ich. „Ach, komm schon, Opine,“ sagt der Mann, „wenn du wieder in Übung bist klappt das viel besser, und du warst doch jetzt schon viel ruhiger als vor ein paar Monaten!“
Hach, welche Frau schmilzt nicht dahin, wenn er so verständnisvoll und mitfühlend ist. Manchmal bin ich doch ganz froh darüber, dass der Mann keinen Führerschein hat…
Heute im Bus…
26 März , 2009
Schulklassen auf dem Weg zum Ausflug nerven. Ich bin dafür, dass Gruppen von mehr als zwei Schülern in öffentlichen Verkehrsmitteln nur gefesselt und geknebelt befördert werden dürfen. Gott sei Dank muss ich ja recht selten Bus fahren.
Heute morgen musste ich aber zum Arzt, und da meine Fahrgemeinschaft nicht so lang auf mich warten mag, musste ich also zwangsläufig die Busfahrt über x Dörfchen der Kategorie „Hintertupfingen und Buxtehude“ begleitet von einer lärmenden, ausfliegenden Schülerschar (Durchschnittsalter ca. 12 Jahre) auf mich nehmen.
Nun trug es sich zu, dass eine halbe Stunde vor meinem Fahrtziel eine alte Dame Einstieg, die sich von dem Lärm sichtlich gestört, jedoch durch meine ruhige Art (die ich pflege, wenn ich lesend im Bus sitze) dazu animiert fühlte sich neben mich zu setzen. Nach einigen Metern tippte sie mir auf die Schultern und fragte ohne eine Miene zu verziehen: „Wo steigt ihr denn aus?“.
Ob es an der Antifaltencreme liegt, die meine Mutter mir empfohlen hat? Ich habe jedenfalls beschlossen, dass ich mich in zwanzig Jahren bestimmt darüber freuen werde, wenn man mich noch für zwanzig hält.
Aufgeschnappt
26 März , 2009
„Philosophie ist ein Nebenprodukt der Langeweile.“
- Aus „Das philosophische Quartett“, 3Sat -
Festgestellt
26 März , 2009
Das Wort „Wiedererkennungswert“ wird zuweilen recht inflationär benutzt…
Festgestellt
23 März , 2009
Bescheidenheit kann manchmal ganz schön von Vorteil sein. Zum Beispiel dann, wenn man die kleinsten Hanteln wählt, wenn man noch nicht genau weiß, was die Trainerin vor hat
Ice, Ice, Baby!
17 März , 2009
Ein ganz normaler Tag im Büro das Verrückte macht:
Oli: „Ich hätte jetzt Bock auf Eis!“
Sönnchen, Dani und ich im Chor: „Wir auch!“
Der Hahn: „Mann, wir haben ja nen Frauenchor!“
Oli (zum Hahn): „Och komm schon, du hast so viele Gleitzeitstunden…“
Ich: „…und so viel Geld!“
Oli: „Hol uns Eis!“ beginnt laut zu singen: „Eis, Eis, Eis, bitte hol uns Eis!“
Der Hahn: „Nä, ich geh jetzt nach Hause!“
Oli: „Eis, Eis, Eis!“
Das Telefon des Hahns klingelt, am anderen Ende der Leitung ist Oli: „Eis, Eis, Eis!“ Der Hahn klemmt Olis Telefon hinter den Computer. Oli: „Eis, Eis, Eis!“ (ca. 15 min. lang)
Der Hahn: „Boah, hattest du gerad nen Eisprung? Jetzt hast du mich so genervt, ich fahr jetzt in die Stadt, setz mich ins Eiscafe und esse ganz viel Eis, OHNE EUCH!“
Oli (traurig): „Eis, Eis, Eis! Du bist gemein, gemein, gemein…“
Halt der ganz normale Wahnsinn…
Wehrhaft
10 März , 2009
Die Schlagfertigkeit und ich – wir sind nur in meinen Gedankenwelten dicke Freunde. Wenn ich sie mal brauche ist sie gerade offline, auf dem Klo, oder unter Dusche. Meist kommt sie genau dann frisch nach Seife duftend zurück, wenn es gerade zu spät ist. Was mir bleibt, sind böse Rachegedanken. Ich bin nicht nachtragend. Nach einigen Stunden des Grübelns „Was gewesen wäre wenn…“, sind wir wieder versöhnt und die Frau Schlagfertigkeit verspricht mir, das nächste Mal zeitig zu sein oder eine Nachricht zu hinterlassen. Ich brauche wohl kaum zu erwähnen, dass sie das selten einhält…
Es gibt aber auch Gelegenheiten, da wird sie so subtil, böse und gemein ausgehebelt, dass sie sich wie ein geprügelter Hund unters Sofa verkriecht und sich den Rest des Tages nicht mehr hervortraut. So eine Gelegenheit bot sich sich heute den beiden Busenfreunden Mathematik und Unsicherheit, die mich und die arme Schlagfertigkeit mit einem gezielten Hieb in den Magen ins K.O. befördert haben.
Eigentlich ist es ziemlich schwer mich böse zu treffen. Meine Reflexe sind recht gut und offene Böswilligkeiten prallen an meinem hart erarbeitetem Schutzschild „Mir-doch-egal“ einfach ab. Man kann mich beleidigen, mir schlechten Geschmack vorwerfen oder mich anschreien – an guten Tagen kein Problem für meinen Panzer. Eine kleine mathematische Aufgabe jedoch, gespickt mit einem gezielten „Sie waren aber auch immer gut in Reli…“ kann mich total aus dem Konzept bringen und mich in eine minutenlange Starre versetzen, in der ich nur noch ein gequältes: „Ich bin halt Geisteswissenschaftler…“ hervorbringe.
„Der kann sich doch nur mühevoll die Schuhe binden, mit seinem Halbwissen!“, mag der gebildete Mann mich da zu beruhigen versuchen, ich muss jetzt trotzdem erst mal den peinlichen Moment und das Gefühl der Hilflosigkeit mit Donots und Tee verarbeiten. Das nächste Mal frag ich den Religionsmenschen mal, ob er nicht erst mal nach Canossa gehen will, damit ich ihm seine Poster setze. So, mal gucken, was er dann antwortet…
Riechorgan
2 März , 2009
Ich glaube, ich habe einen Nasenfetisch. So lang ich mich erinnern kann, fand ich Nasen schon immer interessant. Vielleicht liegt das auch daran, dass in meiner Familie mütterlicherseits die Verwandtschaft immer recht eindeutig an der Nasenform festzumachen ist.
Die liebevoll sogenannte „Grafen-Nase“ ist bei mir jedoch nur noch ansatzweise erkennbar. Offensichtlich ist ihr recht dominantes Gen über die Generationn doch ein wenig geschwächt worden.
Eines der ersten Dinge, auf die ich achte, wenn ich jemanden kennen lerne, ist die Nase. Wenn der andere den Kopf hebt, sodass man die Nasenlöcher sehen kann, erkennt man, ob die Nase symmetrisch ist oder nicht. Desto gleicher beide Nasenlöcher, desto symmetrischer die Nase.
Mein ehemaliger Mathematiklehrer, dem ich sonst nichts anderes abgewinnen konnte, hat eine Nase, die mich im Unterricht regelmäßig faszinierte. Sie war groß und breit und sah an einer Seite aus wie platt gedrückt, als hätte jemand mit einer Bratpfanne kräftig drauf gehauen. Immer wieder hab ich mich dabei erwischt, wie ich seine Nasenlöcher verglich und überlegte, warum seine Nase so platt war. Vielleicht liegt es daran, dass meine Mathematiknoten nie sehr überzeugend waren.
Es ist doch erstaunlich wie viel so eine Nase im menschlichen Gesicht ausmacht. Man stelle sich nur mal vor, niemand hätte eine Nase, sondern nur kleine Nüstern zum Atmen – das sähe doch mal ziemlich bescheuert aus…
Fakt ist zumindest, dass ich davon überzeugt bin, dass der Mann mit Abstand eine der schönsten Nasen der Welt hat. Wenn ich ihm das sage schaut er meist ein bisschen irritiert. Aber immerhin ist unser Geruchssinn einer der wichtigsten Sinne die wir haben. Warum sollte er dann nicht auch noch schön verpackt sein?