Oude Stad

15 September , 2009

Viel hab ich ja bisher noch nicht erzählt, von meinem Studium im „Ausland“, in einer mittelgroßen, sehr schönen und alten Stadt. Das will ich nun aber ein wenig nachholen. Nennen wir das Städtchen einfach mal „Oude Stad“. Das ist niederländisch, bedeutet „Alte Stadt“ und passt deswegen ganz hervorragend.

Oude Stad besticht durch viele sehr, extrem alte Gebäude in typischem niederländischen Baustil, eine begehbare Stadtmauer und einer recht namhaften Universität. Meine Fakultät ist umgeben von Sex- und Coffeeshops, von Tattoo-, Piercing- und Gruftiläden und kleinen Indienlädchen, die nach Räucherstäbchen duften. Ihr Prunkstück ist der Spiegelsaal, der wohl schönste Unterrichtsraum, den ich jemals gesehen habe. Die Wände sind von oben bis unten kunstvoll mit Stuck verziert, und der Boden natürlich mit Parkett ausgelegt – leider haben wir darin noch nie Unterricht gehabt. Doch auch dem Rest der Uni sieht man seinen historischen Wert an, liebevoll restauriert und teilweise mit neueren Elementen, architektonisch geschickt ergänzt.

In den letzten zwei Wochen hat Oude Stad mein Herz erobert, und das liegt nicht nur an den niederländischen Supermärkten und der schönen Architektur, sondern auch an der niederländischen Lebensweise an sich, die mir durch die Grenznähe zwar von Kindheit an vertraut ist, nun aber wieder bewusster wird. Es ist wirklich erstaunlich, wie wenig und doch so viel anders manche Dinge ein paar Kilometer weiter sein können.

Ich denke, dass die Niederländer viel offener und herzlicher sind als die Deutschen. Das merkt man schon an der Sprache, in der ein „Sie“ zwar existiert, im alltäglichen Gebrauch jedoch nicht häufig vorkommt. Als großer Fan von allem Frittierten komme ich auf die Dauer natürlich auch um die „niederländische Küche“ nicht herum, obwohl man die hier in der Grenzregion natürlich auch in Deutschland genießen kann.

Es gibt noch eine ganze Reihe Dinge, die mir in Oude Stad immer wieder positiv auffallen. Das Wichtigste ist für mich aber, dass ich mich hier studientechnisch gut betreut und recht wohl fühle. Und vielleicht bleibe ich deswegen auch für den Master…

Eine Antwort zu “Oude Stad”

  1. kath sagte

    Das Stadtviertel, in dem sich die Fakultät befindet, wurde immer mit großer Sorge als milieutechnischer Brennpunkt eingestuft… die geisteswissenschaftliche Fakultät wurde zur sozialen Aufwertung des Viertels vor mehreren Jahren dorthin verlegt, wie ein Professor uns hinter vorgehaltener Hand erklärte…das sagt doch schon Einiges, oder? ;-)

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