„Thank you for traveling with Deutsche Bahn!“
9 November , 2009
In meinem nächsten Leben werde ich Schaffnerin (Vielleicht auch Schaffner, sollte ich als Mann wiedergeboren werden.). Neben einer Menge Bewegung bietet einem der Schaffnerberuf nämlich auch ein nicht zu unterschätzendes Unterhaltungspotential. Wenn ich Schaffner wäre, hätte ich eine ganze Menge Spaß!
Für jede Fahrt würde ich mir eine neue Identität plus Dialekt zulegen. Montags würde ich vielleicht, denn Montage sind ja immer am schlimmsten, alle Durchsagen mit erotischer Telefonsex-Stimme präsentieren (an dieser Stelle fehlt mir das Aufnahmegerät, ihr müsst jetzt also eure Fantasie bemühen und euch vorstellen wie Sonja Kraus mit langsamer, leicht flüsternder Stimme die nächsten Bahnhöfe ansagt). Anschließend würde ich dann ungeschminkt und mit Bauerntrampelschritt durch die Gänge stampfen, jedoch mit dem gleichen wispernden Ton um die Fahrkarten bitten.
An Dienstagen, würde ich meinen Lieblingskomiker, Rüdiger Hoffmann bemühen: „Ja hallo erst mal, ich weiß nicht, ob Sie’s schon wussten, aber ich bin Ihre Schaffnerin. Sie können heute mit mir nach Köln HBf fahren… müssen Sie aber nicht…“.
Durchaus irritierend, aber sehr lustig stelle ich mir den Mittwoch vor, an dem ich geschminkt wie Marilyn Manson durch den Zug tollen würde. Ich würde den ganzen Tag sagen: „Ihre fucking Fahrkarte bitte!“ und könnte die Omis im Zug fragen wo sie ihre tollen Stützstrümpfe herhaben.
Donnerstags würde ich alle Ansagen singen und darauf bestehen, dass mir die Fahrgäste Antworten auf meine Fragen ebenfalls gesanglich vortragen und weil Freitage ja immer die schönsten Tage einer Woche sind, würde ich den ganzen Tag pfeifen. Meine Ansagen, würde ich mit selbstausgedachten, pfeif-Jingles beginnen, und morgens durch Lautsprecher „Guten morgen Sonnenschein“ singen.
Samstags, wenn ich mich schon auf den nächsten Streich freuen würde, würde ich wahrscheinlich gefeuert werden. Schade eigentlich, dann müsste ich am Wochenende ohne Schaffnermütze im Zug mit den Fußballfans das Alemannia-Lied singen.
Die erotischen Ansagen gab’s schon. Vor ca 15 Jahren in der Rhein-Ruhr-S-Bahn. Mit rauchig-tiefer Stimme: „nächster Halt: Essen-Hauptbahnhof“, und einigen Mitfahrern platzten die Hosenknöpfe…
Ich hatte am Wochenende einen sehr enthusiastischen Zugbegleiter: „In wenigen Minuten erreichen wiiir Köööln Hauptbahnhooof!Bitte steigen Sieee zur linken Seite auuuus!“
Was hatte der denn geraucht?
Eine großartige Idee, Bleiläuschen!!!
Hatte auch mal einen Schaffner, der mit trällernder Stimme unglaublich fröhlich alles angesagt hat – unter anderem einen „kleinen Blitzeinschlag“, was „ein kleines Weilchen“ dauern könnte, weswegen er empfehlen würde in der Zeit ein „gemütliches Käffchen“ im Bordrestaurant zu genießen.
In Essen in der Straßenbahn gibt es allerdings mittlerweile eine alles andere als erotische Stimme. Ehrlich gesagt muss man sich bei der Stimme fragen, was die Dame draufbezahlt hat um die Durchsagen machen zu dürfen…