Ferien…
16 August , 2009
„Du wirst dich noch nach der Schule sehnen!“, pflegte mein Herr Papa immer an Tagen zu sagen, an denen ich mürrisch und übermüdet-komatisch von einem acht- oder neunstündigen Schultag in die heimischen vier Wände zurückkehrte, um dort meinen Rücken von den ergonomisch für langes Sitzen eher ungeeigneten Stühlen zu entspannen. Zurückgesehnt nach der Schule habe ich mich in den letzten drei Jahren kein einziges Mal. Zugegeben, zweieinhalb davon habe ich ja auch einmal die Woche noch Berufsschulunterricht gefröhnt – aber das zählt ja nicht so wirklich.
Was ich vermisst habe, das waren die Sommerferien. Sechs Wochen lang nichts tun, entspannen, rumhängen. Ich habe jetzt seit drei Wochen frei. Richtig „urlaubsmäßig“ fühle ich mich aber eigentlich erst seit heute. Ob das zum Erwachsensein dazu gehört, dass man eine „Urlaubsanlaufphase“ braucht? Ich fühle mich aber auch träge, unausgeschlafen und ein kleines bisschen orientierungslos. Wenn man mal gearbeitet hat verlieren die Ferien ihre Unschuld, besonders, wenn man weiß, dass diese Ferien eigentlich offiziell „Arbeitslosigkeit“ heißen.
Noch zwei Wochen, dann bin ich Studentin. Dann habe ich Semesterferien, drei Monate am Stück. Vielleicht kann ich diese dann wieder mehr genießen. Die Schule werde ich dann wohl immer noch nicht vermissen, aber wahrscheinlich auch die Sommerferien nicht mehr.
Tücken der Technik
23 Juli , 2009
Auch am vorletzten Arbeitstag muss ein bisschen gearbeitet werde. So begab es sicht heute, dass ich mit einer Firma für Merchandise-Artikel telefonieren musste um die Maße für einen Rucksackaufdruck zu erfahren. Ich rief also die erstbeste auf der Homepage genannte Nummer an, und erreichte eine freundliche Dame, die mir erklärte, dass ich in der Zentrale gelandet sei und sie mich aber gerne mit ihrem Sohn verbinden würde, der für die Druckabwicklung zuständig sei.
Sie diktierte mir vorsichtshalber seine Durchwahl, um dann den Hörer zur Seite zu legen und laut zu rufen: „Helga, zum verbinden muss ich doch hier den Haken drücken und dann die Nummer eintippen?!“. Ich hörte ein laut vernehmbares Tastendrücken, gefolgt von einem „Dat funktioniert nicht!“, und einem „Entschuldigung, aber die Technik, ich verbind Sie jetzt gleich!“. „Schon gut, gute Frau, ich ruf gerad mal selbst an, die Nummer hab ich ja jetzt!“. Man muss das Leben ja nicht unnötig kompliziert machen
Ein Abschied kommt selten allein…
21 Juli , 2009
Nun ist es also so weit. Noch drei Tage bis ich meinen Dienst hier quittiere. Weg in den wohlverdienten Urlaub, weg aus dem Arbeitsleben, weg von allzuviel Regelmäßigkeit. Was mich danach erwartet ist vage. Studentenleben, hoffentlich ein Hiwi-Job der mich über Wasser hält, ein neuer Lebensabschnitt. Ein komisches Gefühl. Besonders wo sich die ersten Abschiede tatsächlich recht langsam angeschlichen haben. Wer hätte schon gedacht, dass meine Kollegin,die Olle, diese Woche krank ist, genau wie Jojo, seit zwei Jahren in meiner Fahrgemeinschaft. Leute die ich in den letzten drei Jahren öfter gesehen habe als meine Eltern.
Vergessen hatte ich auch unsere Mamas, die das Büro das Verrückte macht nur einmal die Woche besuchen. Abschiede sind immer seltsam, erst recht wenn sie so unwirklich sind wie die Verabschiedung von Dani, Mama 1, heute Abend, drei Tage bevor ich eigentlich weg bin… Das wird natürlich nicht der letzte bleiben, denn auch nach meinem letzten Arbeitstag steht mir noch ein großer Abschied vor, der wohl mit der schwerste wird, auch wenn God City, wie es die liebe Kath, die mich dorthin verlassen wird, nennt, ja nicht aus der Welt ist.
Ich denke so richtig begreifen, dass ich nun bald nicht mehr jeden Tag um 7.10 Uhr meine Wohnung verlasse, und das wohl auf längere Dauer, werde ich erst wenn ich meinen ersten Studientag hinter mir habe. Bis dahin bleibt alles leicht milchig, wie in einem seltsamen Traum.
Saure-Gurken-Zeit
26 Juni , 2009
Ich bin urlaubsreif, ganz eindeutig! Langsam schleppen sich die Vormittage dahin, und die Nachmittage vergehen noch langsamer. Ich zähle die verbleibenden Tage bis ich meinen Dienst hier quittiere und in das wohlverdiente Studentenleben wechsle, und betrüge mich dabei selbst, indem ich die aktuelle Woche einfach nicht mitzähle.
Draußen scheint die Sonne, 24 Grad. Viel zu warm, und erst recht viel zu warm um zu arbeiten. Hier drin herrscht Stille. Die Raucher verschwinden noch öfter zum Rauchen, die Kollegen ohne Abhängigkeit von einer Fahrgemeinschaft machen früh Feierabend, die Telefone stehen still. Urlaubszeit. Saure-Gurken-Zeit wie Journalisten zu sagen pflegen. Die wenigen Aufträge tröpfeln in kleinen Rinnsalen herein und ziehen sich wie weichgewordener Kaugummi in der Nachmittagssonne.
Die letzen Arbeitstage: Ich nehme sie durch eine dicke graue Wolke von Müdigkeit und Trägheit wahr. Noch vier einhalb Wochen (natürlich ohne diese). Ich denke an meinen bevorstehenden Urlaub. Träume von Pools, von Sand und Meer, von Wandertouren mit meiner Freundin Kath und von einer Leere, die hellblau und frisch ist und sich nicht wie eine durchgeschwitzte Winterdecke an einem viel zu warmen Sommermorgen anfühlt.
Urlaubsgrüße
20 Mai , 2009
Der Hahn ist im Urlaub, seit zwei Wochen. Endlich, wie er und auch wir finden, schließlich hat er ja noch etliche Überstunden abzufeiern. So ganz loslassen kann er aber doch nicht, und deswegen ruft er von Zeit zu Zeit an oder huscht nach Feierabend mal ins Büro um nach dem Rechten zu schauen.
Heute rief er an, um zu fragen, ob unser allfreitägliches, bzw. vorwochenendliches Grillen statt fände. Auf mein verneinen und die Frage hin ob er seinen Urlaub genieße antwortete er doch tatsächlich: „Ja klar! Ich hab euch schon fast vergessen!“ Tsss, na der scheint sich ja wirklich zu erholen…
Es gibt da so eine Sache…
15 April , 2009
… die mich wirklich tierisch aufregt. Besonders an meinem Arbeitsplatz. Jeder Penner, der in InDesign ein Textfeld aufziehen – oder noch besser– Power Point bedienen kann, hält sich für den Designer vor dem Herren. Da muss ich mir hier von Mitarbeitern sagen lassen: „Meine Kollegen, Flyer in der Grafik machen lassen?! Nee, die machen die lieber selbst.“ Ein Professor erklärt mir am Telefon, auf meinen Hinweis, dass Flyer in der Grafik gestaltet werden sollen und nicht von den Professoren selbst: „Nein nein, das soll ich machen. Ich wollte nur fragen, ob sie mir eine Vorlage schicken könnten!“ und zu guter Letzt erläutert mir ein Kunde, der mir ein total undruckbares Power Point Dokument vorlegt, er könne ja nicht mit InDesign produzieren, weil das Institut die Lizenz nicht kaufen wolle.
In den lezten Tagen kommt meine Augenbraue aus dem Zucken gar nicht mehr heraus und meine Zehennägel haben sich beim Anblick dillettantischer „Grafikarbeiten“ so hoch gerollt, dass ich befürchte im Sommer aus ästhetischen Gründen keine Sandalen mehr tragen zu können (Nicht, dass ich welche trüge, aber wenn ich welche tragen wollen würde…).
Der Reizpunkt dieser Gespräche ist im allgemeinen die Selbstverständlichkeit mit der jeder Hinz und Kunz es für gegeben hält, dass wir Vorlagen herausgeben und fehlerhaften Vorlagen (möglichst natürlich kostenlos) korrigieren, ganz zu schweigen von der irrigen Einbildung „Jeder kann designen“. Die Arroganz in letzterem Punkt, besonders von Doktoren und Professoren, die sich bei uns fast grundsätzlich für allmächtig und die Erfinder des Universums halten, macht mich oft so rasend, dass es mir schwer fällt meine manchmal etwas spitze Zunge im Zaum zu halten. In Momenten in denen ich sieben Flyer überarbeiten muss, weil ein Institutsleiter sich zu fein war mit der Grafik die Einhaltung des Corporate Designs (CD) abzustimmen, und eine nicht dem CD entsprechende Vorlage an seine Mitarbeiter weiter gereicht hat, kriege ich Angst vor mir selbst.
Es gibt viele Gründe, warum Mediengestalter eine, in der Regel dreijährige, Ausbildung absolvieren. Ich möchte nicht behaupten, dass nicht auch Laien gute Ideen für Gestaltungen haben können. Dennoch gehört ein professioneller Auftritt in professionelle Hände. Wer würde sich schon einem Freund zur OP anvertrauen, der sich Operationsbesteck gekauft und alles über Blinddarmoperationen gelesen hat?
Eines habe ich jedenfalls beschlossen. Bevor ich meinen Arbeitsplatz Ende Juli verlasse, werde ich mal bei den Chemikern anrufen. Ich werde sie fragen, ob sie mr ein paar Reagenzgläser und Chemikalien leihen könnten, und ob sie nicht mal vorbeikommen könnten um die Richtigkeit meines Versuchsaufbaus zu überprüfen. Auf ihre Reaktion bin ich jetzt schon gespannt.
Die Olle
8 April , 2009
Gestern, auf dem Weg zur Kantine fiel mir auf, dass ich bisher wenig bis fast gar nicht von der Ollen berichtet habe, und das, obwohl sie uns tagtäglich mit allerlei Ausrufen und Erzählungen erheitert. Unvergessen ist mir der Tag, an dem die Olle aus heiterem Himmel im Büro laut „Oh Nein!“ rief, woraufhin wir uns allarmiert umdrehten:
Wir: „Was ist denn los?“
Die Olle: „Ich hab die zweite Phase von meinem Lippenstift vergessen!“
Gestern bereicherte sie meinen Tag mit der Ankündigung: „Heute werde ich mich bei Maybelline beschweren! Der „Super Stay Lip Gloss“ hält nicht annähernd so lang wie der Lippenstift!“
Haben wir nicht alle unsere kleinen Eigenheiten?!
Ice, Ice, Baby!
17 März , 2009
Ein ganz normaler Tag im Büro das Verrückte macht:
Oli: „Ich hätte jetzt Bock auf Eis!“
Sönnchen, Dani und ich im Chor: „Wir auch!“
Der Hahn: „Mann, wir haben ja nen Frauenchor!“
Oli (zum Hahn): „Och komm schon, du hast so viele Gleitzeitstunden…“
Ich: „…und so viel Geld!“
Oli: „Hol uns Eis!“ beginnt laut zu singen: „Eis, Eis, Eis, bitte hol uns Eis!“
Der Hahn: „Nä, ich geh jetzt nach Hause!“
Oli: „Eis, Eis, Eis!“
Das Telefon des Hahns klingelt, am anderen Ende der Leitung ist Oli: „Eis, Eis, Eis!“ Der Hahn klemmt Olis Telefon hinter den Computer. Oli: „Eis, Eis, Eis!“ (ca. 15 min. lang)
Der Hahn: „Boah, hattest du gerad nen Eisprung? Jetzt hast du mich so genervt, ich fahr jetzt in die Stadt, setz mich ins Eiscafe und esse ganz viel Eis, OHNE EUCH!“
Oli (traurig): „Eis, Eis, Eis! Du bist gemein, gemein, gemein…“
Halt der ganz normale Wahnsinn…
Wehrhaft
10 März , 2009
Die Schlagfertigkeit und ich – wir sind nur in meinen Gedankenwelten dicke Freunde. Wenn ich sie mal brauche ist sie gerade offline, auf dem Klo, oder unter Dusche. Meist kommt sie genau dann frisch nach Seife duftend zurück, wenn es gerade zu spät ist. Was mir bleibt, sind böse Rachegedanken. Ich bin nicht nachtragend. Nach einigen Stunden des Grübelns „Was gewesen wäre wenn…“, sind wir wieder versöhnt und die Frau Schlagfertigkeit verspricht mir, das nächste Mal zeitig zu sein oder eine Nachricht zu hinterlassen. Ich brauche wohl kaum zu erwähnen, dass sie das selten einhält…
Es gibt aber auch Gelegenheiten, da wird sie so subtil, böse und gemein ausgehebelt, dass sie sich wie ein geprügelter Hund unters Sofa verkriecht und sich den Rest des Tages nicht mehr hervortraut. So eine Gelegenheit bot sich sich heute den beiden Busenfreunden Mathematik und Unsicherheit, die mich und die arme Schlagfertigkeit mit einem gezielten Hieb in den Magen ins K.O. befördert haben.
Eigentlich ist es ziemlich schwer mich böse zu treffen. Meine Reflexe sind recht gut und offene Böswilligkeiten prallen an meinem hart erarbeitetem Schutzschild „Mir-doch-egal“ einfach ab. Man kann mich beleidigen, mir schlechten Geschmack vorwerfen oder mich anschreien – an guten Tagen kein Problem für meinen Panzer. Eine kleine mathematische Aufgabe jedoch, gespickt mit einem gezielten „Sie waren aber auch immer gut in Reli…“ kann mich total aus dem Konzept bringen und mich in eine minutenlange Starre versetzen, in der ich nur noch ein gequältes: „Ich bin halt Geisteswissenschaftler…“ hervorbringe.
„Der kann sich doch nur mühevoll die Schuhe binden, mit seinem Halbwissen!“, mag der gebildete Mann mich da zu beruhigen versuchen, ich muss jetzt trotzdem erst mal den peinlichen Moment und das Gefühl der Hilflosigkeit mit Donots und Tee verarbeiten. Das nächste Mal frag ich den Religionsmenschen mal, ob er nicht erst mal nach Canossa gehen will, damit ich ihm seine Poster setze. So, mal gucken, was er dann antwortet…
Glückskind
2 Februar , 2009
Es gibt so Tage, an denen geht alles schief. Morgens beim Aufstehen stößt man sich den Zeh am Bett, weil es so dunkel ist, anschließend geht die Deckenleuchte von selbst an – was sie von Zeit zu Zeit schon mal tut, jedoch nie zur richtigen Zeit, der Bus fährt einem vor der Nase weg, und dann wird das Portemonaie geklaut.
So ein Tag war der Diesntag vor einigen Wochen jedoch nicht – im Gegenteil. Eigentlich war alles perfekt gelaufen: Meine Fahrgemeinschaft stand pünktlich am vereinbarten Treffpunkt, trotz der gähnenden Frühe hatte ich ein geöffnetes Bäckereifachgeschäft gefunden um mein Frühstück zu besorgen und auf der Autobahn gab es auch keinen Stau.
Eigentlich sehe ich den meisten Prüfungen gelassen entgegen. Wenn ich weiß, dass ich etwas beherrsche muss ich mich nicht sorgen, und wenn ich es nicht beherrsche, weiß ich, dass ich selbst Schuld bin, weil ich zu faul war. Nichtsdestotrotz hatte ich ein mulmiges Gefühl, immerhin ging es an diesem Tag nicht um irgendeine Prüfung, sondern um meinen ersten richtigen Berufsabschluss überhaupt.Erleichterung verschaffte mir jedoch die Tatsache, dass mein Prüfer ein ziemlich cooler Dude zu sein schien „Machen se sisch mal kein Stress!“.
Ungestresst und unter den zwischenzeitlichen Erzählungen des Prüfers darüber, dass die Branche ja nicht besser wird, und es überhaupt zu viele Fachfremde gebe, die einfach so Agenturen aus dem Boden stampfen dürften und damit den ganzen Markt kaputt machen, schmiss ich lockerleicht Schneeflocken und Sonnenstrahlen, Bilder Texte und Tabellen auf mein Layout um die geforderten drei Doppelseiten zu gestalten.
Nach einer weiteren kleineren Aufgabe und insgesamt etwas mehr als sechs Stunden war die Prüfung geschafft, der Prüfer zufrieden und ich sehr erleichtert darüber endlich alles hinter mir zu haben.
Es gibt Tage an denen geht alles gut – bis auf den Moment in dem die Katastrophe passiert und der gesamte Rechner sich unter großen Schmerzen und lautem Schreien auf dem Boden krümmt. In solchen Situationen ist die IT-Abteilung unseres Hauses meine letzte Hoffnung. In mühevoller Kleinstarbeit gelang es ihnen auch meinen Freund und Arbeitspartner wieder herzustellen, aber auf der Strecke geblieben war mein Prüfungsstück.
IT: „Du hast alles Lokal gespeichert?!“
Ich: „Naja, der Server ist ja so langsam und da…“
IT: „Öhm, du weißt, dass das sehr schlecht ist?!“
Ich: „Ihr kriegt das doch wieder hin, oder?!“
-Stille-
Dieser kleine Dialog lässt erahnen: Was auch immer Tatort, CSI und Konsorten euch haben glauben machen – es gibt Daten, die noch nicht mal Kommissar Rex zurückholen könnte, beispielsweise Prüfungsarbeiten, die bei Computerabstürzen im Datennirvana verschwunden sind.
Doch bevor ihr euch nicht mehr traut weiterzulesen, wie mein vorletzter Blogeintrag bereits erahnen ließ, gab es natürlich ein Happy End. Anhand der geretteten Original-PDF-Daten musste ich die Prüfung noch einmal exakt wiederherstellen – Ente gut alles gut. Gekostet hat es also zum Glück nur Arbeitszeit und Nerven. Gelernt habe ich daraus eines: Auf lokalen Laufwerken sichern = kein Backup durch die IT = Böse, auf dem Server Speichern = Backup durch die IT = Lieb. Auch wenn mich das Pech öfter verfolgt, meistens bin ich eben doch ein Glückskind.