Tücken der Technik
23 Juli , 2009
Auch am vorletzten Arbeitstag muss ein bisschen gearbeitet werde. So begab es sicht heute, dass ich mit einer Firma für Merchandise-Artikel telefonieren musste um die Maße für einen Rucksackaufdruck zu erfahren. Ich rief also die erstbeste auf der Homepage genannte Nummer an, und erreichte eine freundliche Dame, die mir erklärte, dass ich in der Zentrale gelandet sei und sie mich aber gerne mit ihrem Sohn verbinden würde, der für die Druckabwicklung zuständig sei.
Sie diktierte mir vorsichtshalber seine Durchwahl, um dann den Hörer zur Seite zu legen und laut zu rufen: „Helga, zum verbinden muss ich doch hier den Haken drücken und dann die Nummer eintippen?!“. Ich hörte ein laut vernehmbares Tastendrücken, gefolgt von einem „Dat funktioniert nicht!“, und einem „Entschuldigung, aber die Technik, ich verbind Sie jetzt gleich!“. „Schon gut, gute Frau, ich ruf gerad mal selbst an, die Nummer hab ich ja jetzt!“. Man muss das Leben ja nicht unnötig kompliziert machen
Ein Abschied kommt selten allein…
21 Juli , 2009
Nun ist es also so weit. Noch drei Tage bis ich meinen Dienst hier quittiere. Weg in den wohlverdienten Urlaub, weg aus dem Arbeitsleben, weg von allzuviel Regelmäßigkeit. Was mich danach erwartet ist vage. Studentenleben, hoffentlich ein Hiwi-Job der mich über Wasser hält, ein neuer Lebensabschnitt. Ein komisches Gefühl. Besonders wo sich die ersten Abschiede tatsächlich recht langsam angeschlichen haben. Wer hätte schon gedacht, dass meine Kollegin,die Olle, diese Woche krank ist, genau wie Jojo, seit zwei Jahren in meiner Fahrgemeinschaft. Leute die ich in den letzten drei Jahren öfter gesehen habe als meine Eltern.
Vergessen hatte ich auch unsere Mamas, die das Büro das Verrückte macht nur einmal die Woche besuchen. Abschiede sind immer seltsam, erst recht wenn sie so unwirklich sind wie die Verabschiedung von Dani, Mama 1, heute Abend, drei Tage bevor ich eigentlich weg bin… Das wird natürlich nicht der letzte bleiben, denn auch nach meinem letzten Arbeitstag steht mir noch ein großer Abschied vor, der wohl mit der schwerste wird, auch wenn God City, wie es die liebe Kath, die mich dorthin verlassen wird, nennt, ja nicht aus der Welt ist.
Ich denke so richtig begreifen, dass ich nun bald nicht mehr jeden Tag um 7.10 Uhr meine Wohnung verlasse, und das wohl auf längere Dauer, werde ich erst wenn ich meinen ersten Studientag hinter mir habe. Bis dahin bleibt alles leicht milchig, wie in einem seltsamen Traum.
Saure-Gurken-Zeit
26 Juni , 2009
Ich bin urlaubsreif, ganz eindeutig! Langsam schleppen sich die Vormittage dahin, und die Nachmittage vergehen noch langsamer. Ich zähle die verbleibenden Tage bis ich meinen Dienst hier quittiere und in das wohlverdiente Studentenleben wechsle, und betrüge mich dabei selbst, indem ich die aktuelle Woche einfach nicht mitzähle.
Draußen scheint die Sonne, 24 Grad. Viel zu warm, und erst recht viel zu warm um zu arbeiten. Hier drin herrscht Stille. Die Raucher verschwinden noch öfter zum Rauchen, die Kollegen ohne Abhängigkeit von einer Fahrgemeinschaft machen früh Feierabend, die Telefone stehen still. Urlaubszeit. Saure-Gurken-Zeit wie Journalisten zu sagen pflegen. Die wenigen Aufträge tröpfeln in kleinen Rinnsalen herein und ziehen sich wie weichgewordener Kaugummi in der Nachmittagssonne.
Die letzen Arbeitstage: Ich nehme sie durch eine dicke graue Wolke von Müdigkeit und Trägheit wahr. Noch vier einhalb Wochen (natürlich ohne diese). Ich denke an meinen bevorstehenden Urlaub. Träume von Pools, von Sand und Meer, von Wandertouren mit meiner Freundin Kath und von einer Leere, die hellblau und frisch ist und sich nicht wie eine durchgeschwitzte Winterdecke an einem viel zu warmen Sommermorgen anfühlt.
Urlaubsgrüße
20 Mai , 2009
Der Hahn ist im Urlaub, seit zwei Wochen. Endlich, wie er und auch wir finden, schließlich hat er ja noch etliche Überstunden abzufeiern. So ganz loslassen kann er aber doch nicht, und deswegen ruft er von Zeit zu Zeit an oder huscht nach Feierabend mal ins Büro um nach dem Rechten zu schauen.
Heute rief er an, um zu fragen, ob unser allfreitägliches, bzw. vorwochenendliches Grillen statt fände. Auf mein verneinen und die Frage hin ob er seinen Urlaub genieße antwortete er doch tatsächlich: „Ja klar! Ich hab euch schon fast vergessen!“ Tsss, na der scheint sich ja wirklich zu erholen…
Es gibt da so eine Sache…
15 April , 2009
… die mich wirklich tierisch aufregt. Besonders an meinem Arbeitsplatz. Jeder Penner, der in InDesign ein Textfeld aufziehen – oder noch besser– Power Point bedienen kann, hält sich für den Designer vor dem Herren. Da muss ich mir hier von Mitarbeitern sagen lassen: „Meine Kollegen, Flyer in der Grafik machen lassen?! Nee, die machen die lieber selbst.“ Ein Professor erklärt mir am Telefon, auf meinen Hinweis, dass Flyer in der Grafik gestaltet werden sollen und nicht von den Professoren selbst: „Nein nein, das soll ich machen. Ich wollte nur fragen, ob sie mir eine Vorlage schicken könnten!“ und zu guter Letzt erläutert mir ein Kunde, der mir ein total undruckbares Power Point Dokument vorlegt, er könne ja nicht mit InDesign produzieren, weil das Institut die Lizenz nicht kaufen wolle.
In den lezten Tagen kommt meine Augenbraue aus dem Zucken gar nicht mehr heraus und meine Zehennägel haben sich beim Anblick dillettantischer „Grafikarbeiten“ so hoch gerollt, dass ich befürchte im Sommer aus ästhetischen Gründen keine Sandalen mehr tragen zu können (Nicht, dass ich welche trüge, aber wenn ich welche tragen wollen würde…).
Der Reizpunkt dieser Gespräche ist im allgemeinen die Selbstverständlichkeit mit der jeder Hinz und Kunz es für gegeben hält, dass wir Vorlagen herausgeben und fehlerhaften Vorlagen (möglichst natürlich kostenlos) korrigieren, ganz zu schweigen von der irrigen Einbildung „Jeder kann designen“. Die Arroganz in letzterem Punkt, besonders von Doktoren und Professoren, die sich bei uns fast grundsätzlich für allmächtig und die Erfinder des Universums halten, macht mich oft so rasend, dass es mir schwer fällt meine manchmal etwas spitze Zunge im Zaum zu halten. In Momenten in denen ich sieben Flyer überarbeiten muss, weil ein Institutsleiter sich zu fein war mit der Grafik die Einhaltung des Corporate Designs (CD) abzustimmen, und eine nicht dem CD entsprechende Vorlage an seine Mitarbeiter weiter gereicht hat, kriege ich Angst vor mir selbst.
Es gibt viele Gründe, warum Mediengestalter eine, in der Regel dreijährige, Ausbildung absolvieren. Ich möchte nicht behaupten, dass nicht auch Laien gute Ideen für Gestaltungen haben können. Dennoch gehört ein professioneller Auftritt in professionelle Hände. Wer würde sich schon einem Freund zur OP anvertrauen, der sich Operationsbesteck gekauft und alles über Blinddarmoperationen gelesen hat?
Eines habe ich jedenfalls beschlossen. Bevor ich meinen Arbeitsplatz Ende Juli verlasse, werde ich mal bei den Chemikern anrufen. Ich werde sie fragen, ob sie mr ein paar Reagenzgläser und Chemikalien leihen könnten, und ob sie nicht mal vorbeikommen könnten um die Richtigkeit meines Versuchsaufbaus zu überprüfen. Auf ihre Reaktion bin ich jetzt schon gespannt.
Die Olle
8 April , 2009
Gestern, auf dem Weg zur Kantine fiel mir auf, dass ich bisher wenig bis fast gar nicht von der Ollen berichtet habe, und das, obwohl sie uns tagtäglich mit allerlei Ausrufen und Erzählungen erheitert. Unvergessen ist mir der Tag, an dem die Olle aus heiterem Himmel im Büro laut „Oh Nein!“ rief, woraufhin wir uns allarmiert umdrehten:
Wir: „Was ist denn los?“
Die Olle: „Ich hab die zweite Phase von meinem Lippenstift vergessen!“
Gestern bereicherte sie meinen Tag mit der Ankündigung: „Heute werde ich mich bei Maybelline beschweren! Der „Super Stay Lip Gloss“ hält nicht annähernd so lang wie der Lippenstift!“
Haben wir nicht alle unsere kleinen Eigenheiten?!
Ice, Ice, Baby!
17 März , 2009
Ein ganz normaler Tag im Büro das Verrückte macht:
Oli: „Ich hätte jetzt Bock auf Eis!“
Sönnchen, Dani und ich im Chor: „Wir auch!“
Der Hahn: „Mann, wir haben ja nen Frauenchor!“
Oli (zum Hahn): „Och komm schon, du hast so viele Gleitzeitstunden…“
Ich: „…und so viel Geld!“
Oli: „Hol uns Eis!“ beginnt laut zu singen: „Eis, Eis, Eis, bitte hol uns Eis!“
Der Hahn: „Nä, ich geh jetzt nach Hause!“
Oli: „Eis, Eis, Eis!“
Das Telefon des Hahns klingelt, am anderen Ende der Leitung ist Oli: „Eis, Eis, Eis!“ Der Hahn klemmt Olis Telefon hinter den Computer. Oli: „Eis, Eis, Eis!“ (ca. 15 min. lang)
Der Hahn: „Boah, hattest du gerad nen Eisprung? Jetzt hast du mich so genervt, ich fahr jetzt in die Stadt, setz mich ins Eiscafe und esse ganz viel Eis, OHNE EUCH!“
Oli (traurig): „Eis, Eis, Eis! Du bist gemein, gemein, gemein…“
Halt der ganz normale Wahnsinn…
Wehrhaft
10 März , 2009
Die Schlagfertigkeit und ich – wir sind nur in meinen Gedankenwelten dicke Freunde. Wenn ich sie mal brauche ist sie gerade offline, auf dem Klo, oder unter Dusche. Meist kommt sie genau dann frisch nach Seife duftend zurück, wenn es gerade zu spät ist. Was mir bleibt, sind böse Rachegedanken. Ich bin nicht nachtragend. Nach einigen Stunden des Grübelns „Was gewesen wäre wenn…“, sind wir wieder versöhnt und die Frau Schlagfertigkeit verspricht mir, das nächste Mal zeitig zu sein oder eine Nachricht zu hinterlassen. Ich brauche wohl kaum zu erwähnen, dass sie das selten einhält…
Es gibt aber auch Gelegenheiten, da wird sie so subtil, böse und gemein ausgehebelt, dass sie sich wie ein geprügelter Hund unters Sofa verkriecht und sich den Rest des Tages nicht mehr hervortraut. So eine Gelegenheit bot sich sich heute den beiden Busenfreunden Mathematik und Unsicherheit, die mich und die arme Schlagfertigkeit mit einem gezielten Hieb in den Magen ins K.O. befördert haben.
Eigentlich ist es ziemlich schwer mich böse zu treffen. Meine Reflexe sind recht gut und offene Böswilligkeiten prallen an meinem hart erarbeitetem Schutzschild „Mir-doch-egal“ einfach ab. Man kann mich beleidigen, mir schlechten Geschmack vorwerfen oder mich anschreien – an guten Tagen kein Problem für meinen Panzer. Eine kleine mathematische Aufgabe jedoch, gespickt mit einem gezielten „Sie waren aber auch immer gut in Reli…“ kann mich total aus dem Konzept bringen und mich in eine minutenlange Starre versetzen, in der ich nur noch ein gequältes: „Ich bin halt Geisteswissenschaftler…“ hervorbringe.
„Der kann sich doch nur mühevoll die Schuhe binden, mit seinem Halbwissen!“, mag der gebildete Mann mich da zu beruhigen versuchen, ich muss jetzt trotzdem erst mal den peinlichen Moment und das Gefühl der Hilflosigkeit mit Donots und Tee verarbeiten. Das nächste Mal frag ich den Religionsmenschen mal, ob er nicht erst mal nach Canossa gehen will, damit ich ihm seine Poster setze. So, mal gucken, was er dann antwortet…
Ungefragt
9 Januar , 2009
Meine Kollegin Oli war heute Morgen beim Arzt. Beim Hautarzt, um genau zu sein, weil sie, nach eigener Aussage, „Ekelfüße“ hat. Da Oli eine sehr, sagen wir mal „offene Art“ hat, erklärte sie anschließend ausführlich, wie der Arzt sie einer Leibesvisitation unterzog – unangekündigte Hautkrebsvorsorge – und ihre Füße anschließend mit: „Das sind Druckstellen, da kann man nichts machen.“ kommentierte.
„Ihr glaubt gar nicht, wo überall nach Muttermalen geschaut wird…“, brachte Oli unsere Fantatasie in Wallung. Sie machte eine erklärende Geste, woraufhin die Olle ein schockiertes: „Der kann dir doch nicht einfach ohne Ankündigung auf die Rosette gucken!“ ausstieß.
Ein wenig befremdlich fand ich das auch. Schatz war natürlich direkt nach der Untersuchung telefonisch informiert worden und hatte empört festgestellt: „Aber man weiß doch, ob man da Muttermale hat, oder nicht!“.
Der Hahn nahm die ganze Schurse gelassen: „Ihr denkt ja dran, dass hier im Raum auch noch männliche Individuen sind?!“ Lieber Hahn, das macht jetzt auch nichts mehr, bei so vielen Frauen fällt das gar nicht auf!
Vor Weihnachten
22 Dezember , 2008
Erst wenn man einer der wenigen Deppen ist, die zwei Tage vor Weihnachten noch arbeiten müssen, stellt man fest, dass die Welt um einen herum geradezu stillzustehen scheint. Um zehn nach sieben sind die Straßen selten so voll wie nachmittags, aber selbst sonntagmorgens hab ich sie schon voller gesehen als heute auf dem Weg zum Treffpunkt meiner Fahrgemeinschaft.
Auf der Autobahn ist so wenig los, dass der Verkehr auf der gegenüberliegenden in die Stadt hineinführenden Seite, auf der normalerweise jeden Morgen Stau ist, wie ein kleiner plätschernder Bach vor sich hinfließt. Dazu Nieselregen und laue zehn Grad. Sparwetter.
Auf der Arbeit Weihnachtsloch. Der Korridor ist wie ausgestorben. Keine Maschinengeräusche aus der Druckerei – der Drucker ist in Urlaub, die Kunden auch. Um mir die Zeit zu vertreiben, ein bisschen Nachrichten lesen. Im Leserforum wird über das Supertalent diskutiert. Hirnlos. Ich habe keine Privatsender, in solchen Momenten fällt mir wieder ein wieso. Geschimpfe darüber, der „Muntharmonikaspieler“ *kicher* habe zu Unrecht gewonnen, die Fans beschimpfen die Kritiker als Neider. Alles wie immer.
Die Zeit bis fünf Uhr zieht sich. Ich übe Tastschreiben. Verdammt mühselig, weil ich normalerweise nur mit einem Finger tippe. Ich glaube, ich bin der schnellste Ein-Finger-Tipper Rock Citys – vielleicht sollte ich mich beim „Supertalent“ melden.
Im Radio die Weihnachtshits der letzten hundert Jahre, dazwischen „Ave Maria“ auf der Mundharmonika. Schade, dass wir keinen CD-Player haben, für solche Situationen wurde doch „Wir warten auf’s Christkind“ von den Toten Hosen produziert.
Vorweihnachtslethargie. Auch wenn viele Menschen sich darauf freuen, wenn die Weihnachtstage vorbei sind – ich bin froh, wenn sie erst mal angefangen haben! In diesem Sinne: Halleluja, Ave Maria und Frohe Weihnachten!